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Foto: Stefan B. Westphal
aktualisiert am 23.07.2013 um 13:30:58

Störtebeker Festspiele: Von Dessau nach Rügen - Interview mit Hans-Jürgen Müller-Hohensee

Ralswiek (sbw.) Ein Ur-Dessauer spielt in diesem Jahr bei den „Störtebeker Festspielen“ mit. In zwei Rollen schlüpft der erfahrene
Hans-Jürgen Müller-Hohensee. Im Interview mit dem Bitterfelder Spatz vergleicht er seine Tätigkeit in Dessau und Rügen und lässt seine Karriere Revue passieren.

Bitterfelder Spatz:  Wie ist es hier oben an der See?

Müller Hohensee: „Wunderschön, dass Wetter spielt auch gut mit. Die Truppe ist fantastisch, wunderbare Kollegen, ein wunderbarer Regisseur und ein Chef, der wirklich was von seinem Theater will.“

Bitterfelder Spatz: Das klingt ja so, als hätten Sie schon mal etwas anderes erlebt?

Müller Hohensee: „Ja das gab es mal, vor hundert Jahren hab ich das auch schon mal erlebt (lacht).“

Bitterfelder Spatz: In zwei Rollen sind Sie zu sehen, was ziemlich faszinierend ist. Sie spielen einmal den Bertram, einen herzensguten Menschen, den Gutsverwalter des Guts von Arkun, zu dem auch Klaus Störtebeker gehört.  Und dann spielen Sie einen richtigen Sack, der richtig aufgebläht und arrogant ist. Wie schafft man das so schnell zu wechseln?

Müller Hohensee: „Dafür habe ich von 1969 bis 1972 studiert in Rostock und das Handwerk gelernt. Und wenn man vierzig Jahre im Theater gespielt hat, dann kann man das auch. Ich habe 160 Rollen bisher im Theater gespielt und 40 Film- und Fernsehrollen. Ich will nicht sagen, dass man ein Schubfach auf macht, aber man weiß ungefähr schon beim Lesen, wie man die Rolle spielen könnte. Natürlich sagt dann auch mal der Regisseur „Das ist Mist, das gefällt mir nicht“, dann muss man aber umdenken können. Aber dafür sind wir ein Team. Und dafür machen wir es zusammen.“

Bitterfelder Spatz: Welche Rolle liegt Ihnen mehr?

Müller Hohensee: „Es machen beide Rollen Spaß, aber den Bertram spiele ich natürlich sehr gern. “

Bitterfelder Spatz: Sie haben mal gesagt, Sie mögen alle Rollen, proben allerdings nicht gern. Haben die Proben hier mehr Spaß gemacht?

Müller Hohensee: „Wir haben hier fünf Wochen Zeit zu proben im Freien. Und die Sonne war bombastisch, man sieht es auch an meiner Haut. Die Proben waren doch sehr schön.“

Bitterfelder Spatz: Wir haben lange im Archiv gegraben und ein Detail aufgedeckt: Sie sagen ja, Sie sind zum ersten Mal auf dieser Bühne, das ist aber nicht ganz richtig.

Müller Hohensee: „Geschwindelt habe ich da nicht (lacht). 2003 ist ein Kollege eine halbe Stunde vor der Vorstellung erkrankt. Ich bin dann spontan eingesprungen. Ich war aber fix und fertig nach der Vorstellung. Ich hatte das Stück nur ein bis zwei Mal von der anderen Seite aus gesehen. Und wenn man vergleicht: Das Dessauer Theater ist schon groß und dann schaut man hier rein und es sitzen über 8000 Menschen vor einem… Wenn man dann keinen Text weiß und keine Ahnung hat, wie  das Stück weiter geht, ist das schon problematisch. Aber ein alter Kollege kam zu mir und hat gesagt: „Hansi, du hast gespielt als hättest du sechs Wochen geprobt.“. Ich hab immer auf die Chance gewartet, bin aber nie von Dessau weg gekommen. Das Angebot von Intendant Peter Hick stand sogar schon zwei Mal. Aber wir haben ja auch Sommertheater in Dessau gespielt. Jetzt als Frührentner mit 63 Jahren hat es geklappt. Ich war voriges Jahr oben auf Rügen und da wurde ich gefragt, wie es denn aussieht. Im Januar kam der Anruf, da rollten bei mir die Tränen vor Freude.“

Bitterfelder Spatz: Sie haben sich für eine Rolle (des Kaisers neue Kleider) eine Glatze schneiden lassen. Sie haben also bei körperlichen Veränderungen rund um die Rolle keine Probleme?

Müller Hohensee: „Nein, außer bei den Zähnen. Zähne würde ich mir nicht abschleifen lassen. Ich bin in der glücklichen Lage, mit 63 noch alle eigenen Beißer zu haben, aber Haare wachsen wieder nach.“

Bitterfelder Spatz: Und wenn es heißt 30 Kg abnehmen?

Müller Hohensee: „Da muss ich zurück fragen, würden Sie das schaffen? (lacht)“

Bitterfelder Spatz: Ich würde mir auch keine Glatze schneiden lassen.

Müller Hohensee: „Nein ich muss sagen das geht nicht mehr. Zähne und Bauch sind tabu und Beine und Arme und Augen (lacht).“

Bitterfelder Spatz: Und wenn es heißen würde Sie spielen ein Riese, wie machen Sie das?

Müller Hohensee: „Das hab ich schon gemacht, als ich den Holländer Michel gespielt habe. Da war ich 2,08 m groß. Oder jetzt der Teufel im Märchen mit Pferdefuß. Das tut zwar dann mit der Zeit weh, aber das macht mir nichts aus, dafür bin ich schließlich zum Theater gegangen.“

Bitterfelder Spatz: Sind Sie ein bisschen neidisch auf den neuen "Störtebeker" Bastian Semm, der die ganzen Frauen abbekommt im Stück? Wäre das auch eine Rolle für Sie gewesen?

Müller Hohensee: „In den 40 Jahren bin ich noch nie auf einen Kollegen neidisch gewesen. Sowas kenn ich nicht. Ich sage mir immer: Ein Regisseur besetzt jemanden nach seinen Fähigkeiten. Es müssen auch kleine Rollen gespielt werden. Sebastian macht das wunderbar und auch der neue Goedeke, der Andreas. Es sind beide sehr bescheidene und kollegiale Schauspieler und Kollegen.“

Bitterfelder Spatz: Zwei letzte Fragen: Sehen wir Sie wieder in Dessau und wie sieht die Zukunft auf Rügen aus?

Müller Hohensee: „In Dessau weiß ich,  dass ich wieder im „Tatort“ zu sehen bin. Wann ich dort sterbe, weiß ich aber noch nicht. Und auf Rügen: Ich hoffe, ich bleibe dort noch lange“


Störtebeker Festspiele: Von Dessau nach Rügen -  Interview mit Hans-Jürgen Müller-Hohensee
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