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Politiker uneins über Zukunft des Warenhauses
Bleibt das Unternehmen auch nach 2015? Dies liegt auch in den Händen der Lokalpolitiker, die der Änderung des Nutzungskonzeptes letztendlich zustimmen müssen.
Foto: Jens Mattern
aktualisiert am 16.11.2012 um 10:56:54

Politiker uneins über Zukunft des Warenhauses

Bitterfeld (jm). Steht das real,- vor dem Aus? 2015 droht im Warenhaus an der Anhaltstraße das Licht auszugehen. Dies teilte der Konzern in einer Pressemitteilung mit. Grund: Die Stadt erlaubt den Umbau des Einkaufszentrums nicht. Plan war es, den Standort durch die Ansiedlung von drei bis vier Fachmärkten attraktiver zu machen. Die Stadt machte einen Strich durch die Rechnung und lehnte das Konzept ab. Begründung: Es werden Waren angeboten die auch in der Innenstadt angeboten werden bzw. angeboten werden könnten. Jedoch wollte die Stadt den Fall noch einmal in ihren Gremien diskutieren. (Der Spatz berichtete). Grund genug für den Bitterfelder Spatz bei Lokalpolitikern nachzuhaken. Hier nun die kompletten Stellungnahmen

Jens Tetzlaff (Fraktionsvorsitzender CDU Stadtrat Bitterfeld-Wolfen)

„Die CDU-Fraktion spricht sich eindeutig für den Erhalt des „real,-“-Standortes aus. Der Standort ist ein Bindeglied zwischen den Ortsteilen Greppin, Bitterfeld und Wolfen und hat damit höhere Funktionen als andere Ergänzungsstandorte. Die Stadtentwicklung für Bitterfeld-Wolfen ist sehr komplex. Insofern kann ein Einzelstandort auch nicht losgelöst aus dem Gesamtzusammenhang betrachtet werden. Unter diesem Blickwinkel wurde das Einzelhandels- und Zentrenkonzept mit einer großen politischen Mehrheit beschlossen. Prinzipiell soll damit ein koordiniertes Handeln ermöglicht werden. Ein Erfolg aus diesem Konzept ist die aktuelle Planung für ein Center in der Bitterfelder Innenstadt. Es gilt jetzt, die Interessenslagen abzuwägen und für die gesamte Stadt eine Nachhaltigkeit im Handeln zu zeigen – weder bevorzugend noch benachteiliegend. Die Entwicklung ist ein stetig wandelnder Prozess, insofern müssen auch Konzepte weitergeführt und angepasst werden. Die CDU-Fraktion ist sich dieser Verantwortung bewusst.“

Günter Herder (Fraktionsvorsitzender Die Linke Stadtrat Bitterfeld-Wolfen)

Der Einzelhandelsstandort real in der Anhaltstraße ist für viele Bitterfeld-Wolfener und darüber hinaus eine seit vielen Jahren bevorzugte Einkaufsadresse und er ist unverzichtbar als Nahversorger für die Bewohner der Anhaltsiedlung und des OT Greppin. Dieser Standort weist mit 14.250 m² eine Verkaufsfläche auf, die fast so groß ist wie die Summe der Verkaufsflächen im A-Zentrum Bitterfeld und den B-Zentren in der Wolfener Altstadt und in Wolfen-Nord mit insgesamt 15.700 m², wurde aber wegen seiner Lage nicht als A-, B- oder C-Zentrum sondern nur als Ergänzungsstandort deklariert.
Der vergleichbare Muldepark in Bobbau ist mit 16.260 m² übrigens der größte Einzelhandelsstandort in Bitterfeld-Wolfen. Die 3 A- und B-Zentren verfügen zusammen nur über 14% der gesamten Verkaufsfläche von Bitterfeld-Wolfen und dort wird nur ca. 19% des gesamten Einzelhandelsumsatzes realisiert. Daran wird deutlich, wie zergliedert der Einzelhandel in Bitterfeld-Wolfen sich bisher entwickelt hat (entwickelt wurde?) und wie groß der Nachholbedarf ist, um die 3 Stadtzentrumslagen durch attraktive Einkaufszentren aufzuwerten. Da wir jedoch insgesamt bereits überdurchschnittlich viel Einzelhandelsverkaufsfläche in der Stadt haben, wäre mittel- und langfristig eine Umverteilung und Konzentration in die Stadtzentren wünschenswert. Darauf sollte der Stadtrat, die Oberbürgermeisterin und die Stadtverwaltung großen Wert legen. Aber eine solche Umstrukturierung lässt sich nicht dadurch erreichen, indem sekundären Standorten unternehmerische Entwicklungs- und Erhaltungsmöglichkeiten versagt werden. Denn, wenn es nicht gelingt, die potentiellen Investoren in die Stadtzentren zu locken, dann würde dadurch die Einzelhandelsstruktur insgesamt geschwächt werden, und noch vorhandene Kaufkraft abwandern. Deshalb muss es vordergründig darum gehen, die gewollten Stadtzentren nachhaltig durch entsprechende nicht nur Einzelhandelsansiedlungen attraktiver zu gestalten. Erst dann wird sich die derzeitige Dimension von sekundären Einzelhandelsstandorten ganz von selbst reduzieren. Die Bürger entscheiden immer noch selbst darüber, wo sie ihr Geld ausgeben. Wir müssen ihnen dafür aber an den von uns gewünschten Vorzugsstandorten die entsprechenden Möglichkeiten schaffen. Zur Umsetzung des Einzelhandelskonzeptes sollte sich die Stadt also nicht auf Verhinderung konzentrieren, sondern auf die Schaffung von Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für attraktivere Einzelhandelsansiedlungen in den Zentrumslagen. Die gegenwärtig bekannten Entwicklungsperspektiven rechtfertigen aus meiner Sicht nicht die Versagung von Umstrukturierungsabsichten am Standort real. Insbesondere bei bereits vorhandenem Leerstand, sollte jedoch eine Erweiterung von Verkaufsflächen an bereits überdimensionierten Sekundärstandorten vermieden werden.

Thomas Engler (Kreisvorsitzender SPD)

„Mehr Verkaufsfläche bedeutet nicht mehr Kundschaft“, betont der SPD Vorsitzende Thomas Engler. Das vom Stadtrat beschlossene und von der Verwaltung umgesetzte Einzelhandelskonzept ist nach langer Zeit ein wichtiger Schritt um die Entwicklung von Innenstadtbereichen zu schützen. Vergleichbare Regelungen sind in den meisten Städten Sachsen-Anhalt bereits Mitte der 90-ziger Jahre entstanden. „Unsere Innenstadtbereiche werden von den meisten Einwohnern der Stadt als unattraktiv und leblos empfunden“, so Thomas Engler weiter und verweist auf die Möglichkeit Fachgeschäfte und Investitionsvorhaben in diesen Bereichen der Stadt anzusiedeln. Dazu zählt nach Meinung des SPD Vorsitzenden der Bereich um den Bitterfelder Markt, die Leipziger Straße in Wolfen und die Dessauer Straße im Bereich des Kreisels in Wolfen Nord. An die Zukunft des Standorts und eine attraktive Einkaufmöglichkeit zwischen Anhaltsiedlung und Greppin glaubt Engler dennoch. „Es wird auch über 2015 hinaus Supermärkte unter den gegebenen Voraussetzungen in diesem Bereich geben“, zeigt sich der SPD Vorsitzende überzeugt und mahnt die Verantwortlichen beider Seiten eine vernünftige Lösung im Sinne der Angestellten herbeizuführen. „Die Art und Weise der öffentlichen Auseinandersetzung und Ängste bei den Mitarbeitern zu schüren sind absolut unseriös“, so Engler weiter. Der SPD Vorsitzende sieht nun die Oberbürgermeisterin in der Pflicht. „Ein Aussitzen hilft nicht. Es gilt Position zu ergreifen, am runden Tisch zu diskutieren und die Angestellten zu schützen“.

Andre Krillwitz (Fraktionsvorsitzender Pro Wolfen Stadtrat Bitterfeld-Wolfen)

Der Stadtrat der Stadt Bitterfeld- Wolfen hat, auch mit den Stimmen der Fraktion Pro Wolfen, ein Einzelhandels- und Zentrenkonzept beschlossen. Das beschlossene Konzept wurde bereits einmal aufgeweicht, in dem man mehrheitlich der Aldi-Erweiterung bei real zugestimmt hat. Das Ergebnis ist bekannt, Aldi hat den Standort trotzdem geschlossen. In der aktuellen Diskussion wird mit den Ängsten der betroffenen Mitarbeitern gespielt. Sollten bei real weitere Fachmarktbereiche entstehen, stehen einzelne Geschäfte in der Innenstadt zur Disposition. Sind es doch aber gerade die "kleinen" Einzelhändler vor Ort, die hier ihre Gewerbesteuern entrichten und maßgeblich zum gesellschaftlichen Miteinander beitragen. Hat sich schon jemand die Frage gestellt, wie viele Mitarbeiter in der Innenstadt in eine ungewisse Zukunft blicken, wenn im real weitere Fachmarktbereiche entstehen?! Die Fraktion Pro Wolfen hat sich zu diesem Thema ausführlicher erkundigt. Nach unseren Informationen, steht ein anderer interessanter Betreiber in den Startlöchern, sollte sich real 2015 vom Standort Anhaltsiedlung zurück ziehen. Vor dem Hintergrund, dass der Standort somit über 2015 hinaus gesichert ist, ist eine öffentliche Debatte mit den Ängsten der betroffenen Mitarbeiter und Kunden unseriös. Sicherlich sollte sich der Stadtrat Bitterfeld-Wolfen nochmal ausführlich mit dem Thema beschäftigen. Der Versuch jedoch, durch verschiedene Presseartikel Druck auszuüben ist zwar legitim aber äußerst ungeschickt. Es wäre wünschenswert, dass real vorher den Kontakt mit den Stadtratsfraktionen gesucht hätte um eine Lösung zu finden. Aus heutiger Sicht und mit den uns vorliegenden Informationen werden wir einer Erweiterung der Fachmarktbereiche im real und der damit verbundenen Aufweichung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts nicht zustimmen. Wir sind aber gerne gesprächsbereit und lassen uns gegebenenfalls von den Argumenten real´s überzeugen.

Klaus-Ari Gatter (Fraktionsvorsitzender WLS-IFW-FWH-FWG-FDP)

Ich bin grundsätzlich für den Erhalt von real,- am Standort in der Anhaltstraße. Dringend muss zwischen der Stadt Bitterfeld-Wolfen und dem Konzern ein Kompromiss gefunden werden, der die Interessen des Unternehmens mit den Interessen der Stadt in Einklang bringt. Dies bedeutet, dass bei der Erweiterung entsprechend des Einzelhandelskonzeptes der Stadt verfahren wird. Dies bedeutet, dass auf den Freiflächen nicht zentrenrelevante Angebote unterbreitet werden. Somit würde auch die Innenstadt nicht geschwächt werden. Es ist allgemein bekannt, dass die Stadt Bitterfeld „Am Plan“ Ansiedlungen forciert hat und dass der Investor noch gut ein dreiviertel Jahr Zeit hat, seine Planungen voranzutreiben. Ich gehe davon aus, dass ein Kompromiss gefunden wird.

Auf Nachfrage bei der Stadtverwaltung Bitterfeld-Wolfen hieß es, dass eine Ansetzung des Punktes auf den Tagsesordungen der Ausschüsse des Stadtrates frühestens im Dezember möglich wäre. Ob dies jedoch geschehen wird, steht derzeit noch nicht fest. Jedoch dürften beim Ortsschaftsrat in Greppin am 3. Dezember einige Fragen der Einwohner zur Problematik gestellt werden.
Spatz-Archiv: 85 Arbeitsplätze am Standort in Gefahr
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