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Aids ist nicht aus der Welt
Denis (links, 33) ist HIV-positiv und mit seinem besten Freund und Trainingspartner Matthias (34) Teil der Kampagne „Positiv zusammen leben!“ zum Welt-Aids-Tag 2013.
Foto: Anja Geschke
aktualisiert am 29.11.2013 um 13:49:06

Aids ist nicht aus der Welt

Halle (ag.) Am 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag. Denis und Matthias aus Halle sind derzeit Deutschlandweit auf Kampagnenplakaren zu sehen. Sie  haben sich vor vier Jahren im Sportstudio kennengelernt. Denis bekam 2009 nach einem Test die Diagnose HIV-positiv. Bis dahin hatte er sich durch viel Disziplin und Fleiß zum Abteilungsleiter in einer Schokoladenfabrik hochgearbeitet und lebte ungebremst auf der Überholspur.

Die nächste Karrierestufe dabei immer Blickfeld. Sein Privatleben landete an den Rand, dafür wäre ja später immer noch Zeit. Doch manchmal möchte das eigene Schicksal zum Innehalten aufrufen und öffnet die Möglichkeit, den gewählten Weg noch einmal zu überdenken. HIV lehrte ihn zum Umdenken. Es begann eine sehr schwierige Zeit. Ein Jahr später entschied er sich, den Job zu wechseln und begann eine Therapie, nachdem sich die Werte verschlechterten. Die Einnahme der Medikamente war nicht gerade ein leichter Spaziergang. Die starken Nebenwirkungen setzten ihm ziemlich zu.

Seine Gedankenwelt spielte offensichtlich mit ihm Roulette und schwankte zwischen Leben und Tod. Damals konnte er nicht offen mit  diesem Thema umgehen und versuchte es so gut wie möglich zu verbergen. Selbst viele Freunde und seine Eltern erfuhren es viel, viel später über ein Interview in der lokalen Tageszeitung.

Inzwischen hat er das tiefe Tal überwunden und kann mit HIV sehr gut leben. „Heute besinne ich mich darauf, was wirklich wichtig ist in meinem Leben und ich hätte mich schon damals viel früher anvertrauen sollen, sagt Denis. So ähnlich könnte es den anderen 78.000 HIV-positiven Menschen in unserem Land gehen. Matthias hatte alle Höhen und Tiefen von Denis miterlebt und begleitet. Für ihn kam gar nicht erst die Frage auf, ob er an dieser Kampagne mitmachen möchte oder nicht. Matthias liegt es ebenso am Herzen, eine Botschaft nach draußen zu senden und das Thema HIV gemeinsam mit seinem Freund Denis offen zu behandeln. HIV oder Aids dürfen einfach kein Tabu-Thema mehr sein. Die Aktion startete am 30. Oktober.

Im Mittelpunkt stehen HIV-positive Menschen, die bis zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember öffentlich für mehr Solidarität werden. „Ich habe HIV. Und das Vertrauen meines Trainingspartners“, lautet der Slogan auf einem von vier weiteren Plakatmotiven. Die gesamte Aktion der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) wird in Partnerschaft mit der Deutschen Aids-Hilfe (DAH) und der Deutschen Aids-Stiftung (DAS) umgesetzt.

In ganz Deutschland werden neben Flyern mit 25.000 Großflächenplakate und 50.000 Citylightplakate darauf aufmerksam gemacht. Die Zahlen allein geben schon einen Eindruck, wie groß die Kampagne gestartet wurde.Was den Spatz bewegte ist, wie fühlt es sich an, wenn das eigene Gesicht in vielen Städten zu sehen ist und wie werden die Menschen darauf reagieren?

Wie wird die eigene Familie und der Freundes- und Bekanntenkreis damit umgehen? Denis bekam sehr viel positives Feedback. Selbst ehemalige Arbeitskollegen sprachen ihn an und machten Mut. Sie finden es einfach großartig. Persönlich Betroffene, die meist noch am Anfang stehen, gingen auf Denis zu und suchten Tipps und Ratschläge. Und genau das ist es doch, was damit erreicht werden soll. Denis machte durch Gespräche immer wieder die Erfahrung, dass die Menschen nach einem positiv ausgefallenem Test oftmals allein gelassen werden.

Selbst Ärzte sind teilweise sehr verunsichert, wie sie mit dem Thema umgehen sollen. Doch niemand muss mit der Diagnose allein durchs Leben gehen. Es gibt Beratungsstellen, die in schweren Zeiten zur Seite stehen und immer ein offenes Ohr für die Probleme und Sorgen haben. Aber auch Freunde, Familien und Kollegen können sich dort hinwenden und sich umfassende Informationen einholen. Matthias hat diesen Weg ganz klar gewählt und zeigt Denis gegenüber sehr großes Verständnis und hohe Anerkennung.Für Denis ist es während seiner Beratertätigkeit in der Aids-Hilfe Halle e.V. immer wieder  erstaunlich, wie ungenügend Jugendliche, aber auch Erwachsene informiert sind. Bereits an dieser Stelle beginnt seine Tätigkeit.

Für ihn steht eine umfassende Aufklärungsarbeit an oberster Stelle. Keine noch so scheinbar banale Frage soll dabei offen bleiben. Letztendlich kann es wirklich jeden treffen - auch heterosexuelle Paare, wie es auf einem der Plakate zu sehen ist.

Vielen Paaren ist das gar nicht bewusst. Umso wichtiger ist es, Eigenverantwortung für sich und für seinen Partner bzw. seiner Partnerin zu übernehmen. Ein jährlicher Vorsorgetest kann eine mögliche Infektion schon vorab ausschließen. Auch sind die Therapien inzwischen so weit entwickelt, dass ein Leben bis ins hohe Alter keine Seltenheit mehr ist. Doch Medizin allein reicht eben nicht aus. Noch viel wichtiger und die beste Basis für HIV-positive und an Aids erkrankte Menschen ist ein starker Rückenhalt aus dem eigenen Umfeld. Und Menschen wie Denis und Matthias, die sich in unserer Gesellschaft für Respekt und Akzeptanz engagieren.

Wer noch weitere Informationen haben möchte, kann diese unter www.welt-aids-tag.de und www.zeigschleife.de tun. Oder besuchen Sie einfach die beiden auf Facebook über die öffentlichen Seiten „Botschafter Matthias“ und „Botschafter Denis“.
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