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Goitzsche als  Flutbecken tabu
Lars-Jörn Zimmer (von links), Dr. Wolfgang Baronius und Werner Rauball von der "Bürgerinitiative für Hoch- und Grundwasserschutz in der Stadt Bitterfeld-Wolfen" stehen auf den maroden Deich an der Mulde bei Pouch. Dieser zeigte zur Hochwasserkatastrophe 2013 schon Durchnässungen.
Foto: STEFAN JULIUS
aktualisiert am 05.04.2014 um 14:44:59

Goitzsche als Flutbecken tabu

Bitterfeld-Wolfen (red/stj). Die Hochwasserkatastrophe 2013 ist zwar schon über ein dreiviertel Jahr her, aber in den Köpfen vieler noch fest verankert.  

"Passiert ist hier in Bitterfeld-Wolfen seit der Jahrhundertflut im letzten Jahr trotzdem noch nichts an weiteren Hochwasserschutzmaßnahmen. Die Kommune tut nichts und das Land sowie der Landkreis kommen nur sehr langsam in die Gänge", erklärt Olaf Fuchs, Sprecher der "Bürgerinitiative für Hoch- und Grundwasserschutz in der Stadt Bitterfeld-Wolfen", verbittert.

"Die Bürgerinitiative hat sich seit Sommer 2013 gebildet. Wir fordern vom Land Sachsen-Anhalt, dem Landesbetrieb für Hochwasserschutz, dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld und von der Stadt Bitterfeld-Wolfen intensivere Aktivitäten zum Schutz der Stadt, ihrer Bürger und Unternehmen.  Mitglieder sind unter anderem Landtagsabgeordnete, Stadträte, Kreistagsmitglieder, sachkundige Bürger sowie Unternehmen aus Bitterfeld-Wolfen und Muldestausee", erklärt der Landtagsabgeordnete Lars-Jörn Zimmer (CDU), der einer der Gründungsmitglieder der Hochwasserinitiative ist.

"Wir fordern seit September 2013 schon zusätzliche Schutzmaßnahmen gegen ein nächstes Hochwasser der Mulde. In Sachsen sind die Zeichen der Zeit bereits erkannt worden. Dort wurden,  beziehungsweise werden die Deiche der Mulde bis zur Landesgrenze Sachsen-Anhalt durch Spundwände stabilisiert, so dass bei einem zukünftigen Hochwasser der Mulde kein sächsischer Deich mehr brechen wird. Das bedeutet für uns, dass auf  die Deiche vor Pouch und nach Friedersdorf eine nie gekannte Wassermenge mit höherer Geschwindigkeit als bisher auf unsere Deiche drücken wird", erklärt Werner Rauball von der Bürgerinitiative.

"Da die Deiche vor Pouch beim letzten Hochwasser Juni 2013 bereits weich waren, die Deiche in der Friedersdorfer Aue Auskolkungen aufweisen und der innerstädtische Leinedamm total marode ist, kann nach Auffassung unserer Bürgerinitiative nicht mehr mit den notwendigen Schutzmaßnahmen gewartet werden. Die Verantwortlichen müssen endlich handeln und die maroden Deiche sofort den neuen Normen anpassen, dass diese einem zukünftigen Jahrhunderthochwasser standhalten", erklärt Rauball weiter.

"Die Bürgerinitiative unterstützt den Polderbau in Rösa und spricht sich gegen die Nutzung der Goitzsche als Hochwasserpolder aus. Die Goitzsche ist unter anderem wegen der Gefahren von Böschungsabbrüchen (daher der Planfeststellungsbeschluss auf 75,00 m Wasserhöhe)  sowie der komplizierten Grundwasserverhältnisse in den Ortsteilen Bitterfeld und Greppin und den darin vorhandenen chemischen Altlasten ungeeignet, für längere Zeit als Hochwasserpolder zu dienen. Die Goitzsche kann nämlich wegen der aufgeschütteten Böschungen im Wasserbereich nur wenige Zentimeter pro Tag  (1 - 3cm) wieder abgesenkt werden. Das bedeutet, dass wie beim Juni-Hochwasser 2013 der Wasserstand der Goitzsche mindestens drei Monate den Grundwasserstand in Bitterfeld-Wolfen  deutlich erhöhte. Die Folge sind unter anderem  stärker belastete Grundwasserströme in Richtung Mulde, die gerade durch das ÖGP (ökologisches Großprojekt) Bitterfeld (ein Gemeinschaftsprojekt von Bund, Land und der Stadt Bitterfeld) bisher verhindert wurden", schildert Rauball weiter.

"Zusätzlich werden auch die übrigen Gewässer in Bitterfeld-Wolfen durch einen hohen Grundwasser-stand beeinflusst. Dadurch ist für eine längere Zeit mit hohem Grundwasser in den Kellern der Anwohner zu rechnen, auch wenn das Hochwasser Bitterfeld und Greppin nicht erreicht haben sollte", ergänzt Lars-Jörn Zimmer.

"Insgesamt glaubt unsere Bürgerinitiative, dass ein Zusammengreifen der Aktivitäten Länderübergreifend zu einem vernünftigen Ergebnis führen würde. Wir suchen auch die Zusammenarbeit mit anderen Hochwasserinitiativen sowie den dafür zuständigen Bereichen in Kommunen, Landkreis und Land, denn für ein nächstes Hochwasser würde es um Bitterfeld-Wolfen nicht gut stehen. Außerdem sind weitere Mitstreiter gern erwünscht", erklärt Sprecher Olaf Fuchs am Ende.

Kontakt

Interessenten für die Bitterfelder Bürgerinitiative können sich unter der Email-Adresse  info@LarsJoernZimmer.de oder werner-rauball@t-
online.de melden.

 

Kommentare (1)

Ein Bitterfelder07.04.2014 um 08:54 Uhr
Komisch, wo war denn unser Alt-Bürgermeister zur Flut? Jetzt stellt er sich hin und stellt Forderungen. Aber es ist ja Wahlkampf und er will in den Stadtrat gewählt werden. Wie durchschaubar...
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