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Pflege nach  Stufen ermittelt
Volker Rehboldt, Geschäftsführer vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung Sachsen-Anhalt (MDK).
Foto: MDK Sachsen-Anhalt
aktualisiert am 26.04.2014 um 15:05:03

Pflege nach Stufen ermittelt

Region (red/stj). Viele Unklarheiten existieren bei vielen Menschen, wenn es um die Pflegebedürftigkeit, beziehungsweise um die Einteilung der Pflegestufen geht. Diese Informationen fehlen oft nicht nur den Betroffenen, sondern auch ihren Angehörigen. Volker Rehboldt, Geschäftsführer vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung Sachsen-Anhalt (MDK), erklärt den Ablauf einer Pflegebegutachtung, die Kriterien für die Einteilung der Pflegestufen und wo sich Betroffene und Angehörige informieren können.

Um Leistungen aus der Pflegeversicherung beziehen zu können, muss als erstes ein Antrag auf diese gestellt werden. Ein Antrag kann formlos, also auch per Telefon, bei der zuständigen Pflegekasse gestellt werden. Die daraufhin zugeschickten Formulare enthalten einen Antrag auf Pflegeleistungen und einen Antrag auf Rentenbeitragszahlung.

Ablauf einer Begutachtung

Nach der Antragstellung erfolgt ein angekündigter Besuch eines Mitarbeiters des MDK Sachsen-Anhalt im gewohnten Umfeld des Antragstellers, sprich beim Pflegebedürftigen zuhause (oder im Pflegeheim). Bei diesem Besuch wird geprüft, ob die Voraussetzungen für die Leistungen aus der Pflegeversicherung erfüllt sind und welcher Pflegestufe Ihr Angehöriger zugeordnet werden kann. Um die Begutachtungen würdevoll und mit Respekt zu führen, handeln Gutachter stets im Sinne der Begutachtungs-Richtlinien des GKV-Spitzenverbandes (Gesetzlichen Krankenversicherung).

Um sich ein umfassendes Bild von der pflegebedürftigen Person und ihrer Situation machen zu können, werden die Gutachter auch mit der Hauptpflegeperson oder/und anderen an der Pflege beteiligten Personen sprechen wollen. Weiterhin wird das häusliche Umfeld betrachtet und unter anderem festgestellt, ob und welche baulichen Veränderungen notwendig oder sinnvoll sind, um die Pflege zuhause zu erleichtern.

Bei den Mitarbeitern des MDK, die als Gutachter tätig sind, handelt es sich um Pflegefachkräfte. Auf Grundlage des erstellten Gutachtens urteilt die Pflegekasse, ob Pflegebedürftigkeit vorliegt und in welchem Maße. Die Leistungen werden rückwirkend vom Zeitpunkt der Antragsstellung erteilt.

Kriterien für die Pflegestufen

Die Grundlage für die Feststellung einer Pflegestufe ist die Pflegebedürftigkeit. Pflegebedürftig sind laut Sozialgesetzbuch (SGB XI) Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichem Umfang oder höherem Maße der Hilfe bedürfen. Als Pflegezeit werden dabei die "gewöhnlichen und regelmäßigen Verrichtungen des täglichen Lebens" aus folgenden Bereichen anerkannt:

Körperpflege

Dazu gehört Waschen, Duschen, Baden, Zahn- und Mundpflege, Kämmen, Rasieren, Haut- und Gesichtspflege, Blasen- und Darmentleerung.

Ernährung

Hierfür zählt mundgerechtes Zubereiten der Nahrung und die Aufnahme der Nahrung.

Mobilität

Dazu gehört Aufstehen und Zubettgehen, An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Treppen steigen, Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung wie zum Beispiel für Arztbesuche, aber nicht für Spaziergänge.

Hauswirtschaftliche Versorgung

Als hauswirtschaftliche Versorgung zählt Einkaufen, Kochen, Reinigen der Wohnung, Spülen, Wechseln und Waschen der Wäsche und Kleidung, Beheizen der Wohnung.

Pflegestufen

Pflegebedürftige der Pflegestufe I (erheblich Pflegebedürftige) sind Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität für wenigstens zwei Verrichtungen aus einem oder mehreren Bereichen mindestens einmal täglich der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen.

Pflegebedürftige der Pflegestufe II (Schwerpflegebedürftige) sind Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen.

Pflegebedürftige der Pflegestufe III (Schwerstpflegebedürftige) sind Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität täglich rund um die Uhr, auch nachts, der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen.

Bei Kindern ist für die Zuordnung der zusätzliche Hilfebedarf gegenüber einem gesunden gleichaltrigen Kind maßgebend.

Beratung für Betroffene und Angehörige

Alle Pflegekassen bieten eine individuelle Pflegeberatung für ihre pflegebedürftigen Versicherten an. Zu den Aufgaben der Pflegeberaterinnen und -berater zählt die Unterstützung der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Bei der Organisation der Pflege - angefangen bei der Vermittlung von Pflegediensten und Haushaltshilfen bis hin zur Auswahl von Pflegeheimen oder anderen Betreuungseinrichtungen. Ausführliche Informationen zur häuslichen Pflege von Angehörigen gibt außerdem das Bundesministerium für Gesundheit.
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