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Handwerk steht vor neuen Herausforderungen
Carmen Bau, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Anhalt-Bitterfeld.
Foto: Foto: Kreishandwerkerschaft
aktualisiert am 17.10.2014 um 14:48:58

Handwerk steht vor neuen Herausforderungen

Bitterfeld-Wolfen (stj/red). Das Handwerk in der Region steht momentan vor neuen Herausforderungen aufgrund des Fachkräftemangels und der Suche nach Auszubildenden. Der Bitterfelder Spatz sprach mit Carmen Bau, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Anhalt-Bitterfeld, über die möglichen Ursachen.

"Das Fachkräfteproblem ist sehr stark spürbar. Durch den Anstieg der Fluktuation in den letzten zwei Jahren fehlen Fachkräfte in den Handwerksbetrieben. Dafür ist zum einen die Großindustrie verantwortlich, die mit hohen Löhnen lockt und zum anderen die Abwanderung der Bevölkerung in andere Regionen", erklärt Carmen Bau. Des Weiteren informiert die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Anhalt-Bitterfeld über die Probleme bei der Nachwuchsgewinnung für das Handwerk:

Das Handwerk ist traditionell als ausbildungsfreudig bekannt, die Ausbildung von jungen Menschen zum Gesellen gehört für jeden Handwerksmeister nicht nur für den eigenen Betrieb zur Selbstverständlichkeit. Das eigene Wissen, um die Fertigkeiten an jüngere Generationen weiterzugeben, liegt jedem Meister im Blut. Natürlich ist Nachwuchsgewinnung auch für die eigene Unternehmensentwicklung enorm wichtig. Bereits seit mehreren Jahre spüren die Handwerksunternehmen, dass es immer schwieriger wird, geeigneten Nachwuchs zu finden -  ein branchenübergreifendes Problem.

Noch nie war die Situation so unbefriedigend wie zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres in diesem Jahr. Erstmalig werden mehr Schulabgänger ein Studium aufnehmen als eine berufliche Ausbildung in einem Unternehmen. Dies hat nicht nur etwas mit dem demografischen Wandel unserer Gesellschaft, sondern in erster Linie mit verfehlter Bildungspolitik zu tun. Darauf weisen wir seit Jahren hin und wissen, dass notwendige Veränderungen auch hier nicht unmittelbar greifen. Die Bewerber, die heute noch keine Lehrstelle haben, passen leider nicht zu den zahlreichen offenen Stellen. Oftmals ist es das Fehlen einfachster Grundvoraussetzungen, die eine Ausbildung im Handwerk erschweren. Unsere Berufe sind inzwischen modern und hochtechnisiert und der Umgang in den Dienstleistungsbetrieben sehr kundenorientiert.

Dies setzt ein Mindestmaß an technischem Verständnis, sowie ordentlichen Umgangsformen und den Willen, sich auch in die Ausbildung einzubringen, voraus. Die Unternehmen wissen längst, dass es nicht mehr reicht, auf Bewerbungen zu warten sondern setzen verstärkt auf die Zusammenarbeit mit den Schulen und Betriebspraktika, jedoch gelingt es zur Zeit nicht, den Bedarf in unseren Betrieben zu decken. Dies setzt sich bereits in fehlenden Fachkräften fort, auch hier können offene Stellen nicht ausreichend besetzt werden.

"Ein drängendes wirtschaftspolitisches Thema, was uns in den nächsten Jahren noch intensiver beschäftigen wird" prophezeit Carmen Bau.
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