Die wahre Bedeutung der Adventszeit
Der Bitterfelder Pfarrer Johannes Toaspern weist auf den ursprünglichen Sinn des Advents hin.
Foto: STEFAN JULIUS
aktualisiert am 13.12.2014 um 16:16:49

Die wahre Bedeutung der Adventszeit

Bitterfeld (red.) Die Adventszeit mit ihrem ganz besonderen Charakter bestimmt wieder den Dezember. Weihnachtsmärkte und tausende Lichter umgeben einen überall, die Geschäfte hoffen auf einen hohen Umsatz und die Kinderaugen spiegeln manchmal den Glanz der Kerzen wider.

Mancher allerdings wischt sich zu Weihnachten die Stirn und sagt: "Endlich, die Hektik hat ein Ende!" Die Adventszeit hat ursprünglich überhaupt nichts mit Hektik zu tun, im Gegenteil:

Früher war es eine Ausnahme-Zeit, anders als sonst im Jahr. Eine Zeit, in Ruhe nach innen zu schauen, sich und seinen Lebensstil zu prüfen: "Stimmt das noch, wie du lebst? Hast du noch im Blick, was wichtig und gut für dich ist? Hast du rangelassen, was im abgelaufenen Jahr an dein Herz geklopft hat?" Das war verbunden mit einer Fastenzeit: Man aß weniger und einfacher, um sich nicht ablenken zu lassen von dem Nachdenken über sich selbst.

Denn Advent heißt übersetzt: Ankunft. "Etwas kommt bei dir an, was dich angeht", so könnte man Advent kurz gesagt übersetzen.  Ganz sichtbar bereiten sich die Christen auf die Ankunft des Babys in Bethlehem vor. Unvorstellbar armselig in einem Stall zur Welt gebracht, kurz darauf auf die Flucht mitgenommen, um den Mörderbanden eines Diktators zu entgehen und jahrelang als Asylbewerber im sicheren Nachbarstaat überlebt. 

Dieses von Anfang an gefährdete Kind mit dem damaligen Allerweltsnamen Jesus beschreiben die Christen als einen von Gott gesandten Mann, einen Retter. Er hat später als Erwachsener leidenschaftlich dafür geworben, nicht auf Gewalt zu setzen, sondern auf Verständigung untereinander. Das, sagte er, will Gott. Dass ihr miteinander sprecht und den Ausgleich sucht. Denn Gewalt bringt nur neue Gewalt hervor.
Den Retter erwartet die Adventszeit, wenn man sie so nimmt, wie sie gedacht ist. Da sind Geschenke die Nebensache.

Die Hauptsache ist, dass man zusammenkommt und ge-meinsam feiert. Als Familie, mit den Kindern oder Nachbarn oder Enkeln.  Kerzen und Ruhe, beides öffnet die Seele, beides schlägt tiefe Wurzeln gerade in Kinderseelen. Ohne Fernsehen, ohne Musik von der Konserve, ohne elektronische Ablenkung. Wer in Ruhe über sich selbst nachdenkt und über das, was an die eigene  Herzenstür klopft, der feiert Advent richtig. Und wer das gemeinsam mit anderen tut, verschenkt mehr als er in den vier Wochen zusammen-
kaufen kann.

Wer am Ende der Adventszeit, in der Heiligen Nacht, mit anderen zusammen Advents- und Weihnachtsliedersingen möchte, ist um 23.30 Uhr ganz herzlich auf den Marktplatz in Bitterfeld vor die Stadtkirche eingeladen.