Drei Ausstellungen zur Reformation in den USA
Fragmente mittelalterlicher Plastiken aus dem 14. Jahrhundert wurden 2003 in Magdeburg bei archäologischen Grabungen gefunden. Einige ausgewählte Skulpturen sollen in den USA gezeigt werden.
Foto: Klaus-Peter Voigt
aktualisiert am 02.04.2015 um 12:08:46

Drei Ausstellungen zur Reformation in den USA

Sachsen-Anhalt (red). Originaldokumente zur Geschichte der Reformation aus Mitteldeutschland und vor allem aus Sachsen-Anhalt treten im Herbst 2016 eine Reise in die USA an. An drei Orten sollen sie in Ausstellungen von der Vorgeschichte und den Auswirkungen der 95 Thesen Martin Luthers berichten. „Here I stand… " – Lutherausstellungen USA 2016 heißt das Projekt, dessen Umsetzung auf Hochtouren läuft.

Die Exposition im Minneapolis Institute of Arts in Minnesota ist bereits unter Dach und Fach, sagt Projektleiterin Dr. Tomoko Emmerling. Ein entsprechender Kooperationsvertrag sei unterschrieben. Wissenschaftler aus den USA hätten sich bereits im Rahmen einer Deutschlandreise an der Exponatauswahl beteiligt. Unter dem Titel „Martin Luther – Art and the Reformation" werde auf rund 1.000 Quadratmetern das 16. Jahrhundert rund um Martin Luther lebendig. Man zeige in der kulturhistorischen Ausstellung den Reformator im Kontext seiner Zeit.

Ein solches Vorhaben nennt Emmerling "etwas Besonderes". Die wissenschaftliche Bearbeitung einschließlich der Herausgabe einer umfangreichen Begleitpublikation unter Mitarbeit auch der amerikanischen Kollegen erfolge in der Bundesrepublik, während der Partner vor Ort die gesamte Ausstellungsgestaltung und das Management während der Ausstellungslaufzeit übernimmt. Nach jetzigem Stand reisen schätzungsweise mehr als 400 Exponate nach Minneapolis. Darunter befinden sich unter anderem mehrere hochkarätige Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren und dem Jüngeren, Bleilettern aus Wittenberg, Skulpturen, Drucke und archäologische Funde wie Murmeln aus dem Elternhaus des Reformators in Mansfeld. Mobiliar aus der Wittenberger Lutherstube steht auf der Liste der möglichen Leihgaben.

2003 entdeckten Archäologen in Magdeburg 34 größere Fragmente mittelalterlicher Plastiken bei Erdarbeiten unmittelbar zwischen Domplatz und dem Kloster Unser Lieben Frauen. Deren Zerstörung könnte die Folge eines Bildersturms in der Reformation sein oder aber auch des 30-jährigen Krieges, bei dem die Stadt in Schutt und Asche gelegt wurde. Verschiedene Skulpturen aus diesem Fund stehen auf der Wunschliste der Kuratoren aus Minneapolis. Allein der Transport auch dieser Objekte über den großen Teich erweist sich als Herausforderung. Aus konservatorischen Gründen müssen besondere Bedingungen eingehalten werden. Unter anderem sind klimatisierte Transportkisten notwendig, um keines der Objekte zu gefährden.

Auch die Vorbereitungen einer Schau „Martin Luther and the Birth of the Reformation" im New Yorker The Morgan Library and Museum seien weit gediehen, versichert Tomoko Emmerling. Der Vertrag solle in Kürze unterzeichnet werden. Das Haus werde zu einer Schatzkammer für Flugblätter, Bibeldrucke, Handschriften, Autographen und ausgewählte Kunstwerke. Ein Originalbrief Martin Luthers an Kaiser Karl V. ist für diese Ausstellung vorgesehen. Er kommt erst mal in das Haus jenes Mannes, der ihn Anfang des 20. Jahrhunderts erworben hatte. Bankier John Pierpont Morgan d. Ä. ersteigerte 1911 das in Latein abgefasste Schreiben vom 28. April 1521 auf einer Auktion in Leipzig. Eine für die damalige Zeit erhebliche Summe von 102.000 Mark wechselte dafür den Besitzer. Morgan schenkte das Schreiben schließlich Kaiser Wilhelm II., der ihn an das Lutherhaus in Wittenberg weitergab.

Mit der Jimmy Carter Presidential Library and Museum in Atlanta laufen weitere Absprachen. Atlanta nimmt eine wichtige Rolle bei der Luther-Rezeption in der Gegenwart ein. 1929 erblickte der Bürgerrechtler Martin Luther King jr. in der Stadt das Licht der Welt. Dort sollen das Leben des Reformators und die Wirkungen seines Schaffens bis in die Gegenwart anschaulich gemacht werden.

Im Auftrag des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland koordiniert federführend das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt das umfassende Projekt zum Jubiläum des Thesenanschlags, in enger Zusammenarbeit mit seinen Kooperationspartnern Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Deutsches Historisches Museum und Stiftung Schloss Friedenstein Gotha. Die Verwirklichung des Projektes wird durch die maßgebliche Unterstützung des Auswärtigen Amtes ermöglicht.

Für Sachsen-Anhalt ist das Ausstellungsvorhaben auch eine Chance, um auf das Ursprungsland der Reformation aufmerksam zu machen. Touristen aus den USA gehören beispielsweise gerade in der Lutherstadt Wittenberg zum alltäglichen Bild. Den größten Anteil an der Gesamtzahl ausländischer Übernachtungsgäste haben Besucher von dort. Sie belegen nach Angaben des Statistischen Landesamtes mit rund einem Sechstel den Spitzenplatz. In der Rangliste folgen die Niederlande, Österreich und die Schweiz. Dieses große Interesse hat seine Wurzeln auch in der vielfältigen Beziehungsgeschichte zwischen Deutschland und den britischen Kolonien in Amerika sowie den späteren Vereinigten Staaten.