Bissige Besucher
Ein Marder inspiziert den Motorraum.
Foto: HDI
aktualisiert am 11.04.2015 um 17:54:07

Bissige Besucher

Anhalt (red). Gestern lief der Wagen noch ohne Probleme, heute hat der Motor Zündaussetzer. Beim Blick unter die Motorhaube zeigt sich schnell: Ein Marder war zu Besuch. Angebissene Schläuche, zerfetztes Isoliermaterial und angenagte Kabel - das typische Schadenszenario, das Steinmarder hinterlassen.

Galt der Kleinräuber lange Zeit als gefährdet, haben sich die Bestände in den vergangenen Jahrzehnten wieder erholt. Und waren in der Vergangenheit Marderschäden eher ein Problem in ländlichen Regionen, haben die Vierbeiner inzwischen auch das städtische Umfeld schätzen gelernt.

Über die letzten Jahre ist dabei ein kontinuierlicher Anstieg der Schäden feststellbar: 2007 verzeichnete die deutsche Versicherungswirtschaft noch rund 175.000 Marderschäden, bis 2012 kletterten die Schäden auf rund 233.000.

Die Schadensumme stieg im selben Zeitraum von 38 Millionen auf 64 Millionen Euro. Dazu dürfte noch eine erhebliche Dunkelziffer kommen, denn die Zahlen umfassen nur die versicherten Schäden.

Im Frühling besonders bissig

In der Zeit von März/April bis in den Spätsommer häufen sich die Kfz-Schäden, die auf Steinmarder zurückzuführen sind. Im Frühling, aber auch in der Paarungszeit im Juli/August verteidigen die Tiere ihr Revier besonders nachdrücklich. Denn nichts anderes hat ein Marder im Sinn, wenn er Kabel, Gummimanschetten und Schläuche zerlegt.

Der Motorraum eines Autos ist in den Augen eines Marders ein ideales Versteck, das von ihm mit entsprechenden Duftmarken gekennzeichnet wird. Stellt der Autofahrer nun seinen Wagen an einem der folgenden Tage im Revier eines anderen Marders ab, nimmt dieser die Duftmarkierungen seines Konkurrenten wahr.

Erbost macht er sich dann - mangels leibhaftigem Artgenossen - über die markierten Teile her. Mit entsprechenden Folgen für weiche Kunststoff- und Gummikomponenten.

Und natürlich markiert er seinerseits ausgiebig den nun von ihm beanspruchten Wohnraum. Fährt der Autofahrer mit seinen Wagen anschließend wieder zurück, reagiert jetzt der erste Marder allergisch auf Marder Nummer Zwei; mit den entsprechenden Folgen.

Abwehrmaßnahmen nur wenige erfolgreich

Meist nur unbefriedigende Resultate bringen häufig genannte Abwehrmaßnahmen. Am wirkungsvollsten ist es, den kompletten Motorraum zu verkleiden.

Allerdings sind nicht für alle Autos entsprechende Bausätze verfügbar.  Duftmittel wie WC-Steine, Mottenkugeln oder Säckchen mit Hundehaaren im Motorraum helfen dagegen genauso wenig wie Ultraschall-Geräte. Marder können sich sowohl an die Gerüche wie auch an den für sie ohrenbetäubenden Lärm gewöhnen.

Außerdem ist es möglich, dass die Tiere Gehörschäden durch den Ultraschall-Lärm davon tragen. Auch unter den Wagen geschobener feinmaschiger Kaninchendraht hilft nur so lange, bis sich die Besucher an den wackligen Untergrund gewöhnt haben.

"War ein Marder zu Besuch, sollte auf jeden Fall eine gründliche Motorwäsche auf dem Programm stehen", rät Hans-Joachim Koch, Leiter der Kfz-Schadenabteilung der HDI Versicherung AG.  Nur so lassen sich die Duftspuren im Motorraum entfernen und ein weiterer Besucher wird nicht unnötig gereizt.

Per Wellschlauch aus Hartkunststoff oder Aluminium lassen sich zumindest freiliegende Kabel effizient schützen. Manschetten, Dämmmaterial  oder Schläuche bleiben jedoch weiterhin gefährdet. Als Abwehrmaßnahme hat sich außerdem ein elektrischer Schutz bewährt. Ähnlich einem Weidezaun verteilen die Geräte leichte Stromschläge und vertreiben so interessierte Marder.

Schäden, Kontrolle und Versicherungsschutz

So ärgerlich schon die direkten Schäden durch Marderbisse sein können, richtig ins Geld gehen oft die Folgeschäden. "Häufig merkt der Autofahrer zunächst gar nicht, dass sein Wagen entsprechenden Besuch hatte. Er wird erst darauf aufmerksam, wenn sich teure Folgeschäden eingestellt haben", weiß Hans-Joachim Koch. Wenn sich der Marder zum Beispiel an einer Achsmanschette vergriffen hat, kann es durch eindringenden Schmutz allmählich zu einer Schädigung von Antriebs- oder Achsgelenken kommen.

Das Perforieren eines Kühlwasserschlauchs durch Marderzähne kann den Verlust von Kühlflüssigkeit und einen anschließenden Motorschaden zur Folge haben.

Gerade im Frühjahr lohnt sich deshalb für jeden Autofahrer, der den Wagen nicht permanent in der Garage parkt, ein häufiger gründlicher Blick unter die Motorhaube. Auch ohne sichtbare Schäden sollten Dinge wie Eier, Brotreste oder tote Beutetiere, die im Motorraum nichts zu suchen haben, stutzig machen.

Ein Marder ist dann offenbar dabei, seine Wohnung einzurichten. Versicherungsschutz gegen Schäden durch Tierbisse bietet die Kfz-Kaskoversicherung. Hier sollte jeder darauf achten, dass auch die Folgeschäden von Tierbissen in den Versicherungsschutz eingeschlossen sind.