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Geblieben, um zu helfen
Hai Ha Vu Thi hilft den Nepalesen vor Ort beim Verteilen von Lebensmitteln und Hilfsgütern.
Foto: privat
aktualisiert am 14.05.2015 um 14:33:14

Geblieben, um zu helfen

Wolfen/Göttingen (rb). Selbst drei Wochen nach den verheerenden Erdbeben im südasiatischen Nepal ist das  Ausmaß der Katastrophe noch lange nicht sichtbar. Mehr als 8.000 Menschenleben haben die Erd-, und Nachbeben in den Tod gerissen, historische Bauten liegen in Trümmern, die Zahl der nun Obdachlosen wird in den tiefen sechsstelligen Bereich geschätzt.
 
Mitten drin und aktuell immer noch vor Ort hat die 22-jährige Hai Ha Vu Thi die Katastrophe miterlebt. Viele Jahre wohnte sie in Wolfen, ging hier zur Schule und absolvierte 2011 am Wolfener Gymnasium ihr Abitur. Direkt im Anschluss folgte das Studium in Göttingen (Sozialwissenschaften) an der Georg-August Universität, welches ebenso ein einjähriges Auslandssemester in Paris beinhaltete.

In dessen Rahmen engagiert sie sich mit der französischen Organisation "Planète Enfants" für die Rechte von Kindern und insbesondere Mädchen gegen Menschenhandel, Kinderarbeit und anderen Formen der Gewalt. Dieses Praktikum führte sie auch nach Kathmandu, der Hauptstadt Nepals.
 
Ende April dann die Horrormeldung: Ein Erdbeben in Nepal mit einem Wert von 7,8 auf der Richterskala. Bilder und Videos von einstürzenden Häusern, aufgerissenen Straßen gingen durch die Medien. Das stärkste Erdbeben in der Region seit 80 Jahren. Hai Ha Vu Thi, die sich zu der Zeit des ersten Bebens in Pokhara (ca. 200km westlich von Kathmandu) befand, realisierte das Beben zunächst nicht. Das ganze Ausmaß der Zerstörung offenbarte sich erst, als die Gruppe wieder am Hotel ankam und sie die Berichte in den Medien hörte und las.

"Bei jedem Nachbeben mussten wir auf die Straße rennen, da die Gefahr bestand, dass Gebäude einstürzen könnten. Jeder Nepalese hatte Angst! Und das, obwohl die Region für ihre kleineren Erdbeben bekannt ist", erinnert sie sich.
 
Schnell entschloss sich die 22-jährige, ihren Aufenthalt in der Krisenregion zu verlängern - das Praktikum ist planmäßig zwar bereits abgeschlossen, aber an eine Heimreise war für sie nicht zu denken: "Meine Mutti wollte, dass ich meine gesamten Sachen in Nepal lasse und sofort nach Deutschland zurück fliege. Für mich war das keine Option".

Unmittelbar nach den ersten Eindrücken vor Ort voller Leid, Trauer und Angst, schloss sie sich dem Kinderhilfswerk "terre des hommes" und dessen Partnerorganisation "We for change" an. Koordination von Hilfsgütern, Sicherung von sanitären Einrichtungen und medizinische Erstversorgung steht im Fokus der Helfer vor Ort. In der Koordination untereinander offenbart aber auch das Internet wertvolles Potential: Via sozialer Netzwerke können verschiedene Hilfsgruppen schnell und präzise ihre Unterstützung planen und so miteinander effektiv mit-
wirken.

Der Hilfstrupp um Hai Ha Vu Thi engagiert sich besonders für die Gemeinschaft Lambu Dada, die nur sehr schwer erreichbar ist und zu der kaum Hilfskräfte vorstoßen konnten. "Wir erstellten einen 2-Jahresplan, um hier auch langfristige Unterstützung sicher zu stellen.

Doch zuerst werden die Gemeinschaften mit den nötigsten Utensilien versorgt, damit die Bewohner die nächsten Wochen überleben. Hierfür wurden sogenannte "need assessments" durchgeführt, um den Mindestbedarf jedes einzelnen Haushaltes zu ermitteln. Das ist absolut notwendig, um effizient zu arbeiten und keine Ressourcen zu verschwenden", erklärt sie.
 
Als sehr bemerkenswert schildert sie auch die Mentalität der Nepalesen: "Es ist inspirierend und regelrecht ansteckend, wie schnell die Nepalesen sich an die Arbeit gemacht haben und wie sie versuchen, ihr Bestes zu geben, um ihr Land wieder aufzubauen. Vor allem die jungen einheimischen Leute leisten Enormes." Kritik hingegen übt sie an Hilfsgruppen, die alles selbst die Hand nehmen: "Viele arbeiten ohne sich abzusprechen und  konkret zu wissen, wie effizient geholfen werden kann. Freiwillige Helfer sind wichtig und notwendig, aber es sind vor allem die Experten, die benötigt werden und bei der Koordination mit anpacken. Bedarfsanalysen sind wichtig, auch wenn sie ihre Zeit benötigen."
 
Für Hai Ha Vu Thi geht es Mitte kommender Woche wieder Richtung Heimat. "Ich bereue die Entscheidung absolut nicht, meinen Aufenthalt verlängert und hier bestmöglich mit angepackt zu haben. Obwohl es sehr anstrengend war und ich schnell an meine Grenzen kam, sind Momente wie das Lachen eines Kindes oder der Hoffnungsschimmer in den Gesichtern der Familie mit keinem Geld der Welt zu kaufen. Die Arbeit hat sich für mich schon gelohnt, wenn ich wenigstens einer Person wirklich helfen konnte!"

Wer die vor Ort aktive Organisation "We for change" finanziell unter die Arme greifen möchte, kann mit einer kleinen Geldspende unterstützend mitwirken. Der Bitterfelder Spatz vermittelt dazu gern weiter!

Eine Anfrage per Mail an redaktion@bitterfelder-spatz.de leiten wir an die zuständigen Personen vor Ort weiter.
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