Bebilderte Oberflächen am Chinesischen Haus
Das Chinesische Haus von außen.
Foto: © Kulturstiftung DessauWörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf
aktualisiert am 23.06.2015 um 14:57:09

Bebilderte Oberflächen am Chinesischen Haus

Oranienbaum (red). Am 25. Juni präsentiert die Kulturstiftung DessauWörlitz  ab 18 Uhr anlässlich des diesjährigen Mottos „bildschön“ eine Sonderführung durch das jüngst restaurierte Chinesische Haus in der Schlossanlage von Oranienbaum, bei der die Oberflächen und die farbenprächtigen Bildmotive im Mittelpunkt stehen.
 
  
Wenige Kilometer östlich von Dessau steht das barocke Schloss Oranienbaum, das ab 1683 errichtet wurde. Der Fürst Johann Georg II. von Anhalt- Dessau (1627-1693) hatte die künftige Bauherrin Henriette Catharina von Oranien-Nassau (1637-1708) im Jahr 1659 geheiratet. Diese Vermählung führte zu einem erheblichen niederländischen Einfluss im Lande, auch in der Architektur. Aus dem ehemaligen Ort Nischwitz entstand so ab 1673 das neu gegründete Städtchen Oranienbaum als symmetrische, typische barocke Anlage.
 
Die Niederlanden erlebten in dieser Zeit das „Goldene Zeitalter“. Über die weiten Handelswege wurden fernöstliche Produkte nach Europa verschifft und fanden in herrschaftlichen Häusern ihren Platz.
 
Ein Teil der Ausstattung von Schloss Oranienbaum war schon damals von ostasiatischen Einflüssen geprägt. Fürst Franz (1740–1817), der Urenkel der Bauherrin, brachte die fernöstliche Formsprache verstärkt und unter anderen Aspekten in Architektur und Ausstattung ein.
 
So ließ er in Oranienbaum im Zusammenhang mit der Neugestaltung des nördlichen Schlossparks zur „Chinesischen Partie“ das Chinesische Haus errichten. Der Komplex wurde in Anlehnung an Ideen von Sir William Chambers in den Jahren 1794 bis 1797 angelegt. Seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts wird dieses Arial Schritt für Schritt denkmalgerecht wiederhergestellt, auch das Chinesische Haus. Durch seinen Standort im See sind die klimatischen Bedingungen ungünstig. Schon im 19. Jahrhundert wird von Schäden an den Tapeten gesprochen, bis hin zu Verlusten. Ähnlich muss es wohl auch bei den Möbeln gewesen sein. Viele Objekte der ehemaligen Ausstattung sind deshalb nicht mehr existent.
 
Im Rahmen der Sanierung des Hauses ist der östliche Raum mit einer Glastür vom Mittelraum getrennt worden. Dort gibt es jetzt wieder ein Möbel-Arrangement. Die inneren Wandbilder waren noch relativ gut erhalten. Sie sind auf mineralischen Grund gemalt, so dass sie den klimatischen Bedingungen standgehalten haben. Die Tapetenverluste an dem Panoramabild im Mittelraum dagegen sind unwiederbringlich. Das Bildwerk zeigte die Herstellung von Seide. Nur ein einzelnes Segment hat sich noch erhalten. Darauf ist die Ernte der Maulbeerbaumblätter, die Nahrung der Seidenraupe, zu sehen.
 
Dieses Motiv ist als Faksimiles wieder eingebaut worden. Es gibt einen Eindruck von der Qualität und Raumwirkung wieder. Die Vogeltapeten in den Seitenräumen waren bis auf zwei Motive verloren. Doch diese Tapete wurde schon damals als Doubletten gefertigt. Somit haben sich weitere Motive im Schloss Wörlitz und im Schloss Paretz erhalten. Diese Vogelmotive konnten aufgearbeitet und nachgemalt werden.
 
Das Chinesische Haus stellt neben der Architektur auch einen inhaltlichen Bezug zur asiatischen Kultur her. Es war kein Ort des Repräsentierens, sondern ein Ort der an die Philosophie von Konfuzius (von 551 v. Chr. bis 479 v. Chr., chinesischer Philosoph zur Zeit der östlichen Zhou-Dynastie) erinnern soll. Heute zeigt sich das Gebäude nicht nur von außen wie zu seiner Entstehungszeit. Mit den jüngst eingebrachten Tapeten und Möbeln erhält der Besucher einen hervorragenden Gesamteindruck.
 
Begleitet werden die Besucher von dem Dipl. Restaurator Robert Hartmann von der KsDW-Abteilung Baudenkmalpflege, der den jahrelangen Restaurierungsprozess dieses Schmuckstückes maßgebend begleitet hat und sehr viel über Vergangenes, Erhaltenes und Wiedergewonnenes zu berichten und vor allem zu zeigen weiß.      
 
Treffpunkt ist um 18 Uhr der Schlosspark Oranienbaum, in der Schlossstr. 10, in 06787 Oranienbaum-Wörlitz im Ortsteil Oranienbaum. Der Eintritt beträgt 7,50 Euro.
 
Wegen der begrenzten Teilnehmerzahl wird um Anmeldung im Schloss Oranienbaum unter 03 49 04–202 59 oder im Schloss Großkühnau unter 03 40–64 61 50 gebeten.