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Max Dieter Schneider in „Irenes Fahrrad-Haus“ in Bitterfeld. Seine Vorväter stellten die Räder der Marke „Döke & Schneider‘s“ noch selbst her. Der heutige Besitzer nennt noch einige Drahtesel aus vergangenen Zeiten sein Eigen.
Foto: STEFAN JULIUS
aktualisiert am 10.02.2017 um 14:17:01

Nicht nur für das Licht am Fahrrad

Bitterfeld (TW). Als Letzter des Familiengeschäftes bezeichnet sich Max Dieter Schneider. Nach ihm wird wohl keiner mehr den Fahrradladen in Bitterfeld übernehmen. Wehmut klingt aber nebenbei an. Er kann es seinen Söhnen nicht verübeln, wenn sie nicht in die Fußstapfen ihrer Vorväter treten. Ronny (37) arbeitet als Diplom-Kaufmann in Berlin und Matthias (41) hat als Diplom-Bankkaufmann ebenfalls einen gut bezahlten Job.

Das bringt den Jungs immerhin mehr ein, als der Fahrradladen abwerfen dürfte. Der Große, also Matthias, schraubt aber zumindest an alten Motorrädern. Manche Teile bezieht er über den Papa, der selbst eine blitzblank geputzte MZ in einer dunklen Ecke stehen hat.

Die Zweiradmechanik liegt den Schneiders im Blut. Max Schneiders Großvater Karl Max Schneider gründete 1906 das Familiengeschäft als „Irenes Fahrrad-Werk“. Wer Irene war, das vermag der heutige Inhaber kaum noch zu sagen. Es ist wohl die Schwester seines Vaters gewesen, die leider schon mit etwa zwei Jahren aus dem Leben schied. Ihr zur Erinnerung erhielt das Fahrradgeschäft höchstwahrscheinlich den Namen Irene.

Was beim Hören und Lesen der Familienchronik sofort ins Auge springt: Alle Inhaber tragen den Max im Vornamen. Von daher konnten zahlreiche Firmendokumente, Stempel und vieles andere problemlos von einer Generation an die nächste weitergeben werden.

Viel Altes kommt heute noch zum Vorschein, wobei es die Bezeichnung Nostalgisches besser trifft. Dieser Hauch der Geschichte streift denjenigen, der sich ein paar Minuten Zeit nimmt und im Laden umschaut. Da hängen an der Decke tatsächlich noch die alten Gaslampen samt ihrer Zuleitungen. Alle Fächer, in denen Kleinteile aufbewahrt sind, stammen ebenfalls aus früheren Jahrzehnten. Sogar eine Kasse aus 1941, deren Mechanik der legendären Chiffriermaschine Enigma gleicht, verrichtet noch brav ihren Dienst. Theoretisch könnte Max Schneider Eintritt in seinem Geschäft nehmen. Zwar mag alles etwas altmodisch daherkommen, doch Schneider liebt seinen Laden und vor allem die Fahrräder, die darin stehen. Bei Licht betrachtet blinkt und funkelt jede Chromfelge und jede Speiche. Kein Staubkörnchen der Geschichte hat sich darüber gelegt.

Allerdings zeigt sich der Fahrradladen selbst im ersten Moment so, als schreie er nach einer Restaurierung. Max Schneider weiß es, traut sich aber nicht zu investieren. Zu problematisch ist die Situation am Nachbarhaus, das dem Verfall preisgegeben zu sein scheint. Durchdringende Nässe sei da nur eine von vielen Schwierigkeiten. Jeder Cent, den Schneider in sein Objekt stecken würde, wäre deshalb ein verschenkter. Das mehrgeschossige Haus, in dessen Erdgeschoss sich Irenes Fahrrad-Haus befindet, gehört den Schneiders. 1913 ist die Familie hier eingezogen.

Der erste Max eröffnete hier mit einem Cousin die Manufaktur. Tatsächlich wurden hier bis in die 30er Jahre hinein Räder der Marke Döke & Schneider angefertigt. Damals hatten sie noch Holzfelgen. Eines dieser Exemplare gehört noch immer zum Bestand des heutigen Max Schneiders. Die Fahrradproduktion ist also längst vorbei, doch aktuell repariert der Inhaber mehr alte Drahtesel, als er neue verkauft. Mit dem Fahrradgeschäft aufgewachsen hielt es den Max Dieter Schneider der Gegenwart zwischen 1970 und 1989 beim Vater Kurt Max im Laden. Heute kann er seinen Industriemeister und mehr als 30 Jahre Dienst in der Grube (Kohle) vorweisen.

Vor allem E-Loks für den Tagebau reparierte er. 2002 übernahm er den Fahrradladen seiner Ahnen in der Bitterfelder Burgstraße. Hier fachsimpelt er gern mit seinen Kunden und mach das, was sein Vater und Großvater schon vor ihm taten: Fahrräder verkaufen und reparieren.
Nicht nur für das Licht am Fahrrad
Nicht nur für das Licht am Fahrrad

Kommentare (1)

Wolfgang Suckrow10.02.2017 um 18:56 Uhr
Also das wäre eine schlechte Sache ,wenn dieser Laden nicht weitergeht ,ich kenne diesen schon seit Anfang der Sechziger , meine Schwester ging da damals noch mit einem Sohn in einer Klasse und sie und ich waren auch oft hinten im Büro und ich habe an dieser Rechenmaschine gespielt . Meine Schwester ist die Elke Suckrow,wir wohnten damals in der ehemaligen Ernst Thälmannstrasse 75
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