Das große Foto zeigt die aktuellen Generationen mit (hintere Reihe, von links) Frances Elstermann, Marcel Freist, Ines Elstermann, Manfred Elstermann, Theresa Schiller, Falko Elstermann sowie (vordere Reihe, von links) Philipp Freist, Edeltraud Bergunter und Charlotte Elstermann.
Foto: privat
aktualisiert am 24.02.2017 um 15:54:11

Eine wahre Dynastie der Tischler

Gröbzig (TW). Wie oft Ines Elstermann inzwischen schon die Geschichte ihres Familienbetriebes erzählt hat, darüber führt sie nicht Buch. Es dürften einige Hundert Male zusammenkommen.

Langweilig wird ihr dabei aber nicht. Ganz im Gegenteil, ihre Augen fangen immer wieder aufs Neue an, zu funkeln, wenn sie darüber berichtet. Den Tischlerbetrieb Bergunter in Gröbzig leitet die Diplom-Ingenieurin für Holztechnik in der sechsten Generation.

Mehr als 200 Jahre hat der Betrieb inzwischen auf dem Buckel. 1816 legte Johann Joseph Bergunder dafür den Grundstein. Ja, damals wurde der Name noch mit einem weichen D in der Mitte geschrieben. Erst eine Reform machte daraus für die Nachfahren ein hartes T. Jener Bergunder jedenfalls gelangte während seiner Wanderschaft aus der polnischen Stadt Kalisz nach Gröbzig, wo er später in eine Stellmacherei einheiratete. Er ehelichte die Witwe Sophie Charlotte Teuchert. Deren handwerklicher Stammbaum lässt sich nach ersten Erkenntnissen bis ins Jahr 1670 zurückverfolgen. Somit dürfte die Arbeit mit Holz in diesem Betrieb noch viel früher als bisher vermutet begonnen haben.

Ines Elstermann erforscht mittlerweile auch diesen Zweig ihrer Vorfahren. Auf den Geschmack gekommen ist sie beim Vorbereiten einer Ausstellung zum 200. Bestehen des Unternehmens. Fast ein Jahr lang kramte sie in alten Akten und überlieferten Papieren, um die Ausstellung so detailreich wie nur möglich zu gestalten. Was sie dabei alles gelernt hat, möchte sie nicht mehr missen, wie sie selbst sagt.

Fast so alt wie das Holz selbst

Liebevoll wurden neben historischen Dokumenten und Fotos auch Werkzeuge und Materialien aus unterschiedlichen Epochen zusammengetragen. Auf zwei Etagen im Haus am Schlossplatz 5 (direkt neben dem Mauseturm) beeindruckt seit dem vorigen Jahr die Ausstellung ihre Besucher. Eines wird dabei besonders deutlich: Die Geschichte der Bergunters ist zum großen Teil auch die des Handwerks bezüglich Holz.

Zwei Etagen hat die Gröbziger Handwerkerin eingerichtet, mit Vitrinen und vielem mehr im Obergeschoss und einer kleinen nachempfundenen Stellmacherei aus den Anfängen im Parterre. Anno dazumal war die Stellmacherei tatsächlich kaum größer als gezeigt. Auf 16 Quadratmeter spielte sich alles ab. Wagen, Wagenräder, kleine Handwagen und vieles andere reparierten die frühen Bergunters.

Heute spielt sich alles natürlich auf einer viel größeren Fläche ab. Aus dem kleinen Zimmerchen von einst wechselte das Handwerk über die Jahrhunderte in eine Werkhalle. Zurzeit verrichten hier acht Mitarbeiter ihre Arbeit und fertigen nach Kundenwünschen Tischlerei und Innenausbauerzeugnisse an.

Der Tischler folgte übrigens dem Stellmacher, der als Beruf nur noch bis in die 1950er Jah-re ausgebildet wurde. Ines Elstermanns Opa Friedrich Wilhelm Bergunter war noch ein Stellmacher, ebenso wie ihr Vater Friedrich. Er übernahm die Stellmacherei 1967 und erweiterte sie um eine Bautischlerei.

Seit 1995 hält die aktuelle Generation um Ines Elstermann den Familienbetrieb am Laufen. Dass es nicht mehr weitergehen könnte, ist nicht zu befürchten, denn auch die Kinder Falko (32) und Frances (27) beschreiten im weitesten Sinne den Weg ihrer Vorfahren. Während Falko in einem Innenausbaubetrieb in Dessau arbeitet, bringt sich Frances bereits als Bürokauffrau in der Familientischlerei in Gröbzig ein. Auch die übernächste Generation, Charlotte (fünf Monate) und Philipp (3,5 Jahre) spielt bereits mit Holzbausteinen. Wer mehr über die Bergunters erfahren und in die Geschichte eintauchen möchte, dem sei die erwähnte umfangreiche Ausstellung ans Herz gelegt.

Zu besichtigen, auf Wunsch auch mit einer Führung, ist sie nach Absprache mit Ines Elstermann tel. unter 034976 24000 oder per E-Mail tibergunter@web.de.
Eine wahre Dynastie der Tischler
So wie im Bild präsentierte sich das Unternehmen früher: Die  Eltern in der Tür ( 3. Generation), drei Söhne (4. Generation) mit Lehrling und Gesellen.