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Einst wohl Säureklinkerhersteller Nr.1 in der Region, ist die Alte Ziegelei in Muldenstein seit langem wohl dem Verfall freigegeben.
Foto: STEFAN JULIUS
aktualisiert am 24.03.2017 um 13:27:20

Jetzt nagt der Zahn der Zeit

Muldenstein (stj/tw). Einst wohl der Säureklinkerhersteller Nr. 1 in der „goldenen Zeit“ der Industrialisierung in der Region um Bitterfeld und nun wohl nur noch ein Mekka für begeisterte Hobbyfotografen – die Alte Ziegelei in Muldenstein. Mittlerweile wuchert dort seit Jahren Unkraut und Sträucher, am Zaun ist ein „Betreten des Grundstücks verboten“ Schild befestigt, jede Menge kaputte Scheiben, Steine sind lose, Löcher sind im Dach und  der Schornstein steht schon etwas schief - der Anblick zeigt nur noch eine Ruine, an der Zahn der Zeit nagt und der Verfall seinen Lauf nimmt.

Genauer liegt die Alte Ziegelei auf der Verbindungsstraße L138 (Am Steinberg) zwischen Friedersdorf und Muldenstein. Wer dort täglich vorbeifährt, kennt natürlich diese Industrieruine, welche manch einem sicherlich ein Dorn im Auge ist. Auf kurzer telefonischer Nachfrage beim Muldensteiner Ortsbürgermeister Marco Rudolph zum industriellen Klinkerbau Am Steinberg meinte er:

„Als Dornen im Auge würde ich die Alte Ziegelei nicht unbedingt, bezeichnen. Ich würde mir wünschen, dass jemand Geld in die Hand nimmt und dort investiere. Sogar ein Industriedenkmal mit Museum könnte man sich dafür vorstellen“.

Vom Glanze der einst so erfolgreichen Jahre ist also nicht mehr viel übrig geblieben, geschweige denn zu sehen. Immerhin sei es schon mindestens 57 Jahre her, wo hier der letzte Stein gebrannt wurde. Um etwa 1960 rum schlossen sich die Pforten des Ziegelwerkes für immer. Die Muldensteinerin Christiane Stehr (72) erinnert sich, dass es wohl um 1957/58 in der Ziegelei zu einem Brand gekommen sei. „Damals wohnte ich noch in Bitterfeld und man konnte sogar von dort aus die Flammen und den Qualm sehen“, erzählt Christiane Stehr zum Brandereignis in der Ziegelei. Genaueres dazu kann die Rentnerin allerdings nicht berichten. Dafür gibt es wahrscheinlich auch nur noch wenige Zeitzeugen.

Einst wurde die Ziegelei im Jahre 1864 aufgrund der zunehmenden Industrialisierung und der reichhaltigen Tonvorkommen in der Region um Muldenstein  am Standort erbaut. Der Bedarf an Ziegeln war zu dieser Zeit enorm und die Muldensteiner Ziegelei  zählte mit seinen neuen Produktionsstätten zu den modernsten dieser Epoche. Zudem waren in ganz Deutschland die Muldensteiner Säureklinker sehr bekannt. Die damals stark expandierende Bitterfelder-Greppiner Chemieindustrie gehörte außerdem zu den Großabnehmern.

Gutsbesitzer Arno Meisel, der die Ziegelei übernommen hatte, benannte diese bald in die „Muldensteiner Werke“. 1873 wurde sogar noch eine zweite Ziegelei aus dem Boden gestampft. Im Jahr 1875 hatte  die Ziegelei der Rittergutsbesitzer Heinrich Louis Eduard Meisel als Gesellschaft eingetragen. Erster Direktor wurde Robert Bahrmann. Weitere Erben führten den Betrieb nach dem frühen Tode von Heinrich Meisel weiter. Dazu gehörte seine Ehefrau Charlotte Louis Meisel und sein Sohn Arno Viktor Hugo Meisel. 1936 wurde dann der Betrieb zur GmbH umgewandelt.

Seit Ende der 50er Jahre steht nun der Betrieb leer. Von den goldenen Zeiten vergangener Tage keine Spur mehr. Im Internet wird das etwa 21.000 Quadratmeter große Objekt zum Verkauf angeboten.

Der heutige Besitzer möchte allerdings nicht genannt werden.  Weitere Recherchen im Internet ergaben, dass es sogar noch diverse Ziegel- und Steinerzeugnisse aus der Muldensteiner Ziegelei auf diversen Verkaufsplattformen zu kaufen gibt. Wie es mit der Alten Ziegelei in Muldenstein nun weitergeht ist ungewiss.

Information

Fotografen, die sich vor allem auf sogenannte Lost Places, also vergessene Plätze spezialisiert haben, zieht das Gelände nach wie vor magisch an. Im Internet finden sich zahlreiche Fotos - nicht nur von außen, sondern auch von innen.Doch hier sei gewarnt: Es ist es verboten, derartige Gelände zu betreten. Zum einen lauern überall Gefahren und zum anderen muss natürlich eine Genehmigung der Zuständigen vorliegen - das können die Eigentümer selbst sein oder ihre Bevollmächtigten.

Buchtipp &Verlosung: Lost Places

Mit verlorenen Orten im Land befasst sich auch ein neues Buch aus dem Mitteldeutschen Verlag. In „Urban Explorer - Lost Places in Sachsen-Anhalt“ finden sich Neuentdeckungen verlorener Orte in Sachsen-Anhalt des Fotografen Marc Mielzarjewicz und einige seiner Lost-Places-Favoriten aus den bisherigen Veröffentlichungen. Deren Geschichte und einstige Nutzung zeichnen Sabine Ullrich und Erik Neumann in kurzen Porträts nach. Das Buch hat 320 Seiten, ist 140 × 220 mm groß und zeigt Schwarz-Weiß-Fotos. Es kostet 19,95 Euro. ISBN 978-3-95462-734-9. Der Bitterfelder Spatz verlost insgesamt neun Exemplare des Buches. Dafür einfach bis 4. April eine E-Mail mit dem Betreff „Vergessene Plätze“ und eigenen Angaben senden an redaktion@bitterfelder-spatz.de.

Das Los entscheidet, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Beachten Sie bitte auch die Hinweise im Impressum.
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