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„Getragen von seiner Liebe“
Annika Schüler ist Mitglied der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinde der Baptisten in Bitterfeld.
Foto: Thomas Ruttke
aktualisiert am 03.03.2018 um 13:53:49

„Getragen von seiner Liebe“

Bitterfeld (bh). Musisch begeistert ist Annika Schüler (26) sowohl in ihrer Gemeinde, den baptistischen Christen in Bitterfeld als auch im Beruf der Erzieherin. Seit August letzten Jahres arbeitet Annika Schüler als pädagogische Mitarbeiterin in der evangelischen Grundschule in Bitterfeld, eine freie Schule, welche nach den pädagogischen Leitprinzipien Maria Montessoris unterrichtet.

Seit 2006 engagiert sich Annika Schüler in der Kinder- und Jugendarbeit der Gemeinde. Auch überregional leitet sie Jungscharlager. Weiterhin vertritt sie bei Bedarf den Kirchenmusiker der Ge­­meinde. Ihre Gabe als Geigerin und Pianistin wird nicht nur dort sehr geschätzt.

Welche Motivation bewegt Sie in der Arbeit für die Gemeinde und für den Glauben?
Es macht mir Spaß, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. Außerdem musiziere ich wahnsinnig gern. Die Gemeindearbeit war ein Hauptgrund, warum ich nach der Ausbildung wieder nach Hause zog. Gerade in einem Raum wie Bitterfeld, in dem nicht viele Christen leben, ist es mir wichtig, einfach da zu sein. Ich bin kein Mensch der großen Worte; mein Anliegen ist die Präsenz. Gottes Liebe möchte ich weitergeben.

Begleitet Sie eine Lieblingsstelle in der Bibel; Worte, die Ihnen immer wieder Kraft verleihen?
Ich habe nicht nur eine Lieblingsstelle, sondern mehrere. Eine davon ist mein Taufspruch: Psalm 16, Vers 5: „Du Herr, bist alles was ich habe; du gibst mir, was ich zum Leben brauche. In deiner Hand liegt meine Zukunft.“ Den suchte meine Pastorin für mich aus. Den finde ich so schön, weil der eindeutig sagt: alles, was ich habe und bekomme, kommt von Gott. Er hat einen guten Plan für mein Leben und weiß, wie meine Zukunft aussehen wird. Darauf vertraue ich, auch wenn ich die Umstände nicht immer verstehe. Meine Zukunft liegt auf jeden Fall bei ihm. Das gibt mir viel Ruhe und Kraft.

Wann wurden Sie getauft?
Erst später, ich war zwölf, als ich m.ich für die Taufe entschied. Also etwas zeitiger als bei uns üblich. Bei uns gibt es keine Kinder-, sondern Glaubenstaufen, ab ca. 14 Jahren. Doch meine Pastorin sagte zu mir: „Wenn du dies schon so genau weißt und willst, taufen wir.“ Ich finde Glaubenstaufen schön. Jemand entscheidet sich bewusst dafür.

Was bedeutet der Glaube ganz konkret für Sie?
Der Glaube bedeutet mir wirklich sehr viel. Ich versuche mich immer mal in jemanden hineinzuversetzen, der nicht gläubig ist. Ich kann es mir einfach nicht vorstellen. Für mich ist es normal, mit jemandem zu reden, der mich immer hört und mich versteht, auch wenn ich ihn und meinen Weg nicht immer begreife. Trotz meiner Wutphasen kommt für mich die Gotteslosigkeit nicht infrage.

Wie sieht Gott für Sie aus?
Sehr liebevoll. Irgendwie hat er in meiner Vorstellung sehr große Hände, um die Menschen zu tragen. Ich stelle mir vor, wir liegen in seinen Armen. Das Aussehen vermag ich nicht zu beschreiben, eher sein Wesen: liebevoll und wohlwollend.

Er hat viel zu tragen...
Ja, er hat viel zu tragen und kümmert sich trotzdem um jeden Einzelnen. Ich fand es als Kind immer so faszinierend, die Hände meines Papas zu betrachten. Er hatte große Hände. Wenn ich meine Hand in die seine legen konnte, wusste ich, jetzt bin ich in Sicherheit. Ein bisschen stelle ich mir Gott so vor.

Gab es Situationen, in denen Sie sich besonders getragen wussten?
Ja! Während der Zeit meiner ersten Stelle, im Kindergarten: Es gab eine schwierige Situation, die mich veranlasste, spontan zu Gott zu beten. Ich hatte in diesem Moment wenig Kraft, doch plötzlich fand ich den Mut, weiterzugehen. Auch wenn sich nichts an der eigentlichen Lage änderte. Gott half mir, die Sicht auf die Dinge zu verändern. Vor meinem Umzug nach Magdeburg auch. Wir suchten eine Wohnung und fanden keine. Eine Freundin und ich waren  auf einem Missionsprojekt. Die Ungewissheit machte mich unruhig und nervös. In einer ruhigen Minute schlug ich die Bibel auf, ganz spontan. Ich las: „Ich habe für euch eine Wohnung vorbereitet...“. Ich las die Stelle gleich noch einmal und dachte: „Okay, wenn du eine Wohnung vorbereitet hast, dann glaube ich dir.“ Ich konnte die Zeit von nun an genießen. Tatsächlich fanden wir vier Wohnungen und durften uns die perfekte aussuchen. Krass, es war in diesem Moment so passend für mich.

Wo sprechen Sie mit Gott?
Das ist ganz unterschiedlich. Oft sind es ganz kurze Gebete, im Alltag, mittendrin. Gerade wenn ich in meiner Wohnung bin. Dann rede ich laut mit ihm. Wenn ich am Klavier sitze und spiele, kann ich dies auch ganz oft. Entweder singe ich die Lieder mit oder lasse die Gedanken schweifen und rede dabei mit Gott. Manchmal auch beim Spazierengehen... Es kommt ganz auf die Situation an.

Wie sieht Ihre Arbeit für den Glauben aus?
Gerade während des Gesanges in den Gottesdiensten ist es schwierig, ohne Begleitung zu singen. Ich  finde es schade, wenn es dann nicht gut klingt. Ich glaube, dass die Menschen es schätzen, wenn jemand mitmacht und sie anleitet. Ich liebe gute Klänge. Gott schenkte uns verschiedene Begabungen, mit denen wir uns gegenseitig eine Freude bereiten können. Gerade während des Musizierens schließt sich für mich ein Kreis: Es ist meine Leidenschaft, von Gott ge­­schenkt. Meine Mitmenschen sind glücklich und letztendlich bereitet Gott die Harmonie untereinander große Freude. 

Haben sich die Tätigkeiten über die Jahre verändert?
Gerade in der Arbeit mit den Kindern ist es mit der Zeit mehr Verantwortung geworden, gerade die überregionale Arbeit. 

Bieten Sie thematische Angebote?
Wir erleben die biblischen Geschichten. Auch erzähle ich gern aus meinem eigenen Leben. Während der Jungscharlager gibt es ein großes Thema mit mehreren Unterthemen. In den fünf Tagen entwickeln sich schöne Gespräche. Der Grundtenor ist, die Kinder zu stärken in dieser verrückten Welt. Wir bringen ihnen Gott auf vielfältige Weise nah. Doch ihre Entscheidung für ihn ist frei. Auch über den respektvollen Umgang miteinander, über die Hilfe, welche wir uns gegenseitig leisten können, tauschen wir uns aus.

Wie geben sie Ihren Glauben an andere Menschen weiter?
Wenn ich mit den Kindern arbeite, dann direkt, gerade in den Bibelstunden. Fragen mich die Leute, dann erzähle ich gern darüber, wie ich Verschiedenes sehe. Aber ich möchte keinem etwas aufdrücken und aufdrängen. Ich finde es schön, wenn meine Mitmenschen Interesse zeigen. Das ist ein Angebot. So etwas entsteht eher durch Beziehungen, durch Freunde und Kollegen. Sie wissen, dass ich eine Christin bin. Ich habe immer allen „Gottes Segen“ zum Geburtstag ge­­wünscht. Erst schauten sie komisch, nachher wussten sie es einzuordnen. Dadurch entstanden ebenfalls Gespräche.

Leben Sie immer nach den Geboten Gottes?
Ich versuche nach den Geboten Gottes zu leben. Es gibt Momente, wo dies nicht klappt. Ich weiß nicht, ob man das als Spielraum bezeichnen kann. Es gibt eigentlich nichts, dass ich jetzt bewusst einfach mal anders mache, zumindest nicht mit gutem Gewissen. Im Grunde genommen finde ich es wichtig, nach Gottes Geboten zu leben. Das heißt natürlich nicht, dass ich alles wörtlich nehme. Also gerade die Stelle, in der Paulus sagt, die Frauen dürfen keine kurzen Haare tragen. Dies hat nichts mit dem Glauben zu tun.

Viele fragen sich, wie kann Gott Schlechtes und Furchtbares im Leben der Menschen zulassen?
Ja, ich verstehe ihn auch manchmal nicht. Ich frage ihn dann deswegen. Ich frage, warum etwas passieren muss.
Andererseits kommt mir der Gedanke gerade mit Freunden im Gespräch: Die Menschen lehnen Gott immer mehr ab. Gott schenkte uns die Freiheit, zu entscheiden. Es verhält sich nicht so, dass schlimme Dinge durch Gott passieren, sondern durch die Menschen. Würde er überall eingreifen, wäre es keine Freiheit mehr. Trotzdem ist Gott da, in jeder Situation.  Er ist da, um zu helfen und zu stärken. Ich glaube, er weint, wenn schlechte Ereignisse passieren.

Wie könnten die Kirchen wieder voller werden?
Nur durch freiwillige Angebote. Erreicht man die Kinder, werden auch die Eltern erreicht. Natürlich ist es schön, wenn viele zusammenkommen. Doch die Hauptsache ist das Gebet füreinander, für alle erdenklichen Anliegen. Wir sind viele kleine Gemeinden. Wir arbeiten zusammen und unterstützen uns. Für den Glauben, nicht für die Kirche, sonst ist es wieder so eine Institution, die Mitglieder braucht.

Wie stellen Sie sich den Himmel und die Hölle vor?
Den Himmel stelle ich mir wunderschön vor. Ich hoffe, dass ich wirklich mal auf seinen Schoß krabbeln kann. Das wünsche ich mir. In der Bibel steht: Es gibt einen ewigen Lobgesang. Ich stelle mir den Gesang sehr schön vor. 

Gott ist für mich der große Vater, der alle liebt, sich aber nicht in seinem Ruhm badet. Wie genau es aussieht, weiß ich nicht, aber es wird schön. Es lohnt sich, darauf hinzuarbeiten. Über die Hölle habe ich mir noch nicht die Gedanken gemacht. Nicht Feuer, Schwefel und Rauch. Ich glaube an den liebenden Gott. Ich weiß nicht, ob es Menschen gibt, die dort hingehen. Aber wenn es eine Hölle gibt, ist es auf jeden Fall nicht schön; wie ein ewiger Krieg, eine ewige Dunkelheit...

Was passiert nach dem Tod?
Ich denke und hoffe, dass wir zu ihm kommen und dort bei ihm sein dürfen. Ich glaube an ein Leben nach dem Tod. Es ist das Ziel, dorthin zu kommen. Daran glaube ich. Auf Erden zu leben ist gut und schön, aber das Danach ist noch viel schöner. 

Ein ewiger Lobgesang...Ja, das ist gut gesagt, ein ewiger Lobgesang.
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