Die Ernte der Landwirte ist eine Katastrophe
Thomas Külz (v. links, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Löberitz e.G.), Landrat Uwe Schulze und Olaf Feuerborn, Präsident des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt e.V. mit der Erntekrone im Foyer der Landkreisverwaltung.
Foto: STEFAN JULIUS
aktualisiert am 11.10.2018 um 15:04:41

Die Ernte der Landwirte ist eine Katastrophe

Anhalt-Bitterfeld/Dessau (red/stj). Traditionell überreichte heute (11. Oktober 2018) der Bauernverband Anhalt wieder eine Erntekrone feierlich an Anhalt-Bitterfelds Landrat Uwe Schulze (CDU) im Foyer der Landkreisverwaltung in Köthen. Mit der Übergabe der Erntekrone an den Landrat verfolgt der Bauernverband in jedem Jahr  auch das Ziel, auf die Situation der Landwirtschaft im Landkreis Anhalt-Bitterfeld und Dessau hinzuweisen.

Sie ist aber auch Ausdruck einer guten Zusammenarbeit zwischen Bauernverband und Kreisverwaltung. Auch in diesem Jahr hatte Carmen Lingner aus Drosa die Erntekrone in mühevoller Kleinstarbeit angefertigt. Etwa eine Woche hatte es gedauert, bis die Erntekrone fertig war. Nach der feierlichen Übergabe informierte der Bauernverband Anhalt:

Die Bedingungen für die Pflanzenproduktion waren in diesem Vegetationsjahr sehr schwierig. Nach einem relativ langen Winter folgten ab Mitte April sofort hohe Temperaturen, der Frühling fiel aus. Das vertrugen manche Kulturen, insbesondere der Raps, nicht so gut, aber insgesamt sahen die Bestände noch sehr gut aus, so dass die Landwirte optimistisch auf die kommende Ernte blicken.
Dieser optimistische Blick veränderte sich zunehmend in Sorgenfalten, da die sonst üblichen Niederschläge ausblieben. In einigen Regionen regnete es über zehn Wochen nicht. Die hohen Temperaturen führten zu einer erhöhten Verdunstung, so dass die Bodenwasservorräte schnell erschöpft waren. Die Folgen konnte jeder sehe: eine große Dürre, die so gut wie alle Kulturen getroffen hat. Die Erträge erreichten dann im Landkreis in der Ernte auch nur 42,4 Dezitonnen pro Hektar bei Wintergerste, 28 Dezitonnen pro Hektar beim Roggen, 41 Dezitonnen pro Hektar bei Weizen und 20,3 Dezitonnen pro Hektar bei Raps. Für den Raps war es die dritte Missernte in Folge. Da auch die Aussaatbedingungen im August für den Raps sehr schlecht waren, haben viele Betriebe den Rapsanbau für 2019 verringert oder ganz aufgegeben.

Bei den Sommerungen, wo es zunächst noch gut aussah, schlug die Dürre und daraus resultierende Folgeerscheinungen ebenfalls voll zu. Für die Kartoffeln war es zum Knollenansatz zu warm, was dazu führte, dass sie nur wenige Knollen ausbildete. Wer bewässern konnte erntet deshalb wenige, aber dafür zu große Knollen, ohne Beregnung lohnt die Ernte kaum.

Zuckerrüben wurden durch die heiße Trockenheit von der Rübenmotte und Schimmelpilzen befallen, so dass neben niedrigen Erträgen noch die Qualität der Rüben leidet. Da die Ernte zum ersten Mal zu Weltmarktbedingungen erfolgt, werden nicht nur die Landwirte die wirtschaftlichen Folgen spüren, sondern die gesamt Zuckerindustrie. Der Verbraucher wird davon nichts merken, die Weltmarktpreise für Zucker sind im Keller. Indien hatte eine Super-Ernte, die zum Teil subventioniert auf dem Weltmarkt abgesetzt wird, so dass die Zuckerlager voll bleiben und sich der Preis nicht erholen wird.

Das größte Problem mit der Dürre haben jedoch die Rinder- und Schafhalter. Der erste Schnitt vom Grünland war noch im Rahmen, der zweite und dritte sind vollständig ausgefallen. Bei Silomais gab es im zweiten Jahr in Folge eine schlechte Ernte, sowohl was Menge als auch Qualität betrifft. Damit fehlen die Grundfutter für den Winter. Teilweise wurden die Tierbestände reduziert, was sich nur mittelfristig wieder ausgleichen lässt. Zusätzliches Futter könnte von Zwischenfruchtflächen gewonnen werden, aber nur wenn das Wetter jetzt mitspielt. Futter aus nicht von Dürre betroffenen Gebieten kaufen ist ebenfalls keine Lösung, neben hohen Transportkosten sind die Preise enorm angestiegen. Über zwischenbetriebliche Hilfen wie die Bereitstellung von eigentlich als Körnermais angebauten Flächen für die Ernte als Silomais oder die Übergabe von Bracheflächen zur Futtergewinnung konnte ein Teil der Fehlmengen ausgeglichen werden.

Zur Unterstützung der besonders betroffenen Betriebe wurde zudem von Bund und Ländern ein Dürrehilfe-Programm aufgelegt. Das ist auch im Berufsstand nicht unumstritten. Zunächst kommen die Mittel zu spät und die Antragstellung ist sehr bürokratisch. Dann sind solche Hilfen nie gerecht. Erhalten wirklich nur unverschuldet in Not geratene Betriebe eine Hilfe? Oder auch Betriebe, die einfach schlecht geführt sind oder zu hoch gepokert haben, zum Beispiel beim Pachten von Land?