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Themenjahr im Bitterfelder Spatz 2019: Ein Hoch auf den Wortschöpfer
Dieter Maess, der frühere Bitterfelder Kulturamtsleiter und ehrenamtliche Kunstbeauftragte der Landeskirche Anhalts, ist Hauptorganisator des Festtages. Er lebt in dem Haus (im Hintergrund), das nach dem Abriss von Zesens Geburtshaus an gleicher Stelle im Jahre 1848 errichtet wurde. Der Festtag beginnt um 10 Uhr mit einer Andacht in der Evangelischen Kirche (l. unten) zu Priorau.
Foto: STEFAN JULIUS
aktualisiert am 02.10.2019 um 15:21:31

Themenjahr im Bitterfelder Spatz 2019: Ein Hoch auf den Wortschöpfer

Priorau (red). In diesem Jahr begeben sich die Reporter auf eine Reise zu Orten, die gewöhnlich, außergewöhnlich und ungewöhnlich sind. Das können Dörfer, Plätze oder Häuser sein, aber auch die Handtasche einer Frau oder eine Truhe voller Schätze. Erzählt werden kleine Geschichten dazu.  

Der aktuelle Ort zum Sonntag ist Priorau, der Geburtsort des bei Dessau geborenen Barockdichters und Wortschöpfers Philipp von Zesen. Anlässlich seines 400. Geburtstages wird dort ein Festtag veranstaltet.Er war einer der wichtigsten deutschen Barockdichter und hat Wörter erfunden, die heute selbstverständlicher Teil unserer Sprache sind. Mit einem Festtag am 12. Oktober erinnert die Evangelische Landeskirche Anhalts an Philipp von Zesen, der vor fast 400 Jahren am 8. Oktober 1619 in Priorau bei Dessau-Roßlau geboren wurde.

Wie andere Zeitgenossen bemühte er sich um die Weiterentwicklung der deutschen Sprache und suchte nach deutschen Übersetzungen für bis dahin gebräuchliche lateinische Begriffe. Wortschöpfungen von Zesens sind etwa die „Anschrift“, die „Bücherei“, die „Leidenschaft“ und die „Versicherung“.

Er ist aber auch Textdichter des bekannten Kirchenliedes „Die güldene Sonne“. Hauptorganisator des Festtages ist Dieter Maess, der frühere Bitterfelder Kulturamtsleiter und ehrenamtliche Kunstbeauftragte der Landeskirche Anhalts. Er lebt in Priorau in dem Haus, das nach dem Abriss von Zesens Geburtshaus an gleicher Stelle errichtet wurde. Der Festtag beginnt um 10 Uhr mit einer Andacht in der Evangelischen Kirche, die von Kirchenpräsident Joachim Liebig gehalten wird.

Die Orgel spielt Ines Maess. Um 11 Uhr schließt sich eine Performance mit der bekannten Künstlerin Ellen Kobe an (www.ellenkobe.de). Um 12 Uhr laden örtliche Vereine zu einem Geburtstagsfest auf dem Zesenplatz.

Nach einer Kranzniederlegung mit Posaunenbläsern am nahe gelegenen Zesenstein (13.30 Uhr) sind ab 14.30 Uhr zwei Vorträge geplant: Dr. Jan Brademann von Archiv der Landeskirche spricht unter dem Titel „Priorau: Oder Patriotismus und Poetik“ über Philipp von Zesen als Philologe.

Der renommierte Kieler Theologe Prof. Dr. Johannes Schilling referiert über Zesens geistliche Lyrik und hat seinem Vortrag den Titel „Seufzer einer frommen Seele“ gegeben. Der Tag klingt um 16.30 Uhr mit dem literarischen Konzert „Klinggedicht und Lustgetöne“ wiederum in der Kirche aus.

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Es spielen Landeskirchenmusikdirektor Matthias Pfund an der Orgel und das „Broken Consort Dessau“ mit Wolf-Jürgen und Annegret Gander, mit Claudia und Guido Ruhland sowie Luise Gräber. Den Gesangspart übernimmt die Sopranistin Grit Wagner. Der Schauspieler Frank Roder liest Texte, die der Autor und Kulturjournalist Andreas Hillger verfasst und zusammengestellt hat.
 
Die Teilnahme an dem Festtag ist kostenlos, um Anmeldung unter presse@kircheanhalt.de wird gebeten. Das Mittagessen (nur nach Anmeldung) um 12 Uhr in der Gaststätte „Preuße“ muss selbst bezahlt werden.

Philipp von Zesen
Nach seiner Geburt in Priorau im Jahr 1619 absolvierte Philipp von Zesen das Gymnasium in Halle, studierte in Wittenberg und hielt sich in Hamburg, Amsterdam, Leiden und Utrecht auf. 1648 kehrte er in seinen Geburtsort zurück und wurde in die Fruchtbringende Gesellschaft in Köthen unter dem Titel „Der Wohlsetzende“ aufgenommen.

Ab 1652 war er Gesellschafter des Fürsten am Dessauer Hof, zog aber 1656 wieder in die Niederlande, wo er als Übersetzer, Schriftsteller und Verleger tätig war. 1672 heiratete er die Unternehmertochter Maria Becker und hielt sich ab dieser Zeit in Hamburg auf, wo er am 13. November 1689 auch starb. Neben vielen erfolgreichen gibt es auch erfolglose Eindeutschungen Philipp von Zesens, etwa „Meuchelpuffer“ (für Pistole) oder „Lustgetöne“ (für Musik).

Seinem Geburtsort Priorau hat von Zesen das vielstrophige Poem „Priorau oder Lob des Vaterlandes“ gewidmet.

 
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